Marquartstein, im Juli 2013

Meine AFS Geschichte

Mein Leben als Gewerkschafter

(ein persönlicher Rückblick von Gottfried Geisel)

Vorab ein herzliches Dankeschön an meine beiden Freunde Wilfried Geitz und Boris Ewald. Wilfried hat mich zu diesen Erinnerungen angeregt und ermuntert. Beide haben mir kritische Hinweise vor der Veröffentlichung gegeben, die ich auch z.T. beachtet habe.

Der Text ist nur ein Konzentrat aus meinen Erinnerungen und erhebt bei weitem nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Wegbegleiter werden evtl. das ein oder andere vermissen. Es liegt in der Natur der Sache!

Entschuldigen will ich mich auch für evtl. Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Vorwort:

Viel zu früh habe ich mich aus gesundheitlichen Gründen aus der beruflichen Gewerkschaftsarbeit zurück ziehen müssen. Dies ist mir nicht leicht gefallen, denn schließlich hat mein Beruf mein Leben bestimmt und ihm Sinn gegeben. Mein Einsatz für gerechtere Arbeits- und Lebensbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer war mir stets eine Herzensangelegenheit und wird es auch bis zum letzten Atemzug bleiben. Wenn es auch in der Gewerkschaftsbewegung wie in vielen Religionen oft große Unterschiede zwischen Praxis und Theorie gibt, so ist das menschlich, doch sollte es uns auch nachdenklich und wachsam machen. Schließlich wollen wir gemeinsam viel erreichen:

„Gemeinsam ein sorgenfreies Leben für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schaffen!“

Genauso wie Stephané Hessel mit seinem Buch „Empört euch“ wende ich mich insbesondere an die Gewerkschaftsjugend um ihr Mut zu machen, sich für diese gute gemeinsame Sache zu engagieren. Ich sage euch: „Manchmal sind es kleine Kieselsteine, die man bewegt um Lawinen ins Rollen zu bringen!“ – Engagiert euch – es lohnt sich öfter als man glaubt!

 


Manchmal sind es Kieselsteine, die Lawinen ins Rollen bringen!

Hier in meiner Reha im schönen Chiemgau finde ich endlich die Ruhe und Muße einige persönliche Erinnerungen wie nachstehend zu verfassen:

Alles begann 1977 im Bahnhof St. Goarshausen. Kollege Helmut Karbach nahm mich zum 01.11.1977 in die Gewerkschaft GdED auf. Etwa ein Jahr später machte er mich auf eine Fahrt der GdED Jugend Wiesbaden nach Paris aufmerksam. Sie kostete nur 60,- DM und dauerte 4 Tage. Helmut Karbach: „Wenn du das Angebot nicht annimmst, dann kann ich dir auch nicht mehr helfen!“ Dieses Ausspruchs hätte es für mich nicht bedurft, denn ich war von dem unschlagbaren Angebot als reisehungriger Jugendlicher längst überzeugt.

Es gab dann ein Vorbereitungstreffen im Nebenraum der Kantine im Wiesbadener Hauptbahnhof. Der amtierende Ortsjugendleiter Koll. Gerhard Emmel erläuterte das Programm und alles sonst so wichtige für die anstehende Parisfahrt. Nebenbei wurde noch ein Teilnehmer für ein Jugendseminar im GdED Bergjugendheim „Hans Jahn“ in Rottach-Egern gesucht. Die Auswahl fiel auf mich, weil ich neugierig nach dem Inhalt gefragt hatte und sonst auch niemand Interesse anmeldete.

So fuhr ich zunächst nach Paris und später zum Seminar. Beides hat mir gefallen. (Seminarleiter war übrigens Alexander Kirchner)

Meine Wahl zum Ortsjugendleiter der GdED OV Wiesbaden

Ende November 1978 erhielt ich dann einen Anruf von Ortsjugendleiter Gerhard Emmel, der mein Interesse an der gewerkschaftlichen Jugendarbeit offensichtlich erkannt hatte. Er bot mir an, mich auf der bevorstehenden Ortsjugendkonferenz zu seinem Nachfolger vorzuschlagen. Er selbst wolle sich als Ortsjugendleiter aus Altersgründen zurückziehen. Ich erbat mir Bedenkzeit. Danach sagte ich ihm unter der Bedingung zu, dass er noch ein Jahr als Stellvertreter zur Verfügung steht um mich zu unterstützen (zum „Wissenstransfer“ würde man heute sagen). Es gab zwar noch einen von Koll. Rainer Schuster favorisierten Gegenkandidaten „Thomas Okabsa“, der aber dann doch nicht antrat. So wurde ich am 19.12.1978 zum Ortsjugendleiter der GdED von Wiesbaden gewählt. Koll. Gerhard Emmel zu meinem Stellvertreter. Breite und gute Unterstützung hatte ich nicht nur in der Anfangszeit auch durch Koll. Karola Hensche (jetzt Mann), Sekretärin der Ortsverwaltung Wiesbaden!

Zwischenruf zu meinem damaligen politischen Hintergrund:

Ich wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb auf. Meine Eltern mussten beide sehr hart arbeiten um sich und ihrer vier Kinder durchzubringen. Politisch wurde ich durch das Elternhaus nicht auf eine Partei oder eine politische Richtung vorgeprägt. In der Zeit vom Realschulabschluss bis zum Beginn bei der Bahn, arbeitete ich in einem mittelständischen Familienbetrieb ohne Betriebsrat oder Gewerkschaft (Fa. Schlaadt in Lorch a.R). Dort machte ich meine Erfahrungen, als Arbeitnehmer den als Patriarchen auftretenden Unternehmenschefs machtlos ausgeliefert zu sein. Ein prägendes Erlebnis für mich.

Als gewählter Ortjugendleiter wollte ich schnellstmöglich ein weiterführendes Seminar besuchen. Koll. Gerhard Emmel hatte eine gute Verbindung zur damaligen Vorsitzenden der Hauptjugendvertretung beim Vorstand der DB, Kollegin Edith Schupp (später Ramerth). So konnte Sie über die Abt. Jugend beim Hauptvorstand, (HV) Koll. Hans Peter, der GdED eine Teilnahme am 14 tägigen Jugendseminar im Januar 1979 in Rottach-Egern erreichen. Neuer Schulungsleiter war dort, Koll. Michael Biersack. Dieser konnte allerdings wegen der Schneekatastrophe in Norddeutschland nur etwa die Hälfte der Teilnehmer begrüßen. Es wurde dadurch für uns ein sehr intensives Seminar. Teilnehmer war auch Koll. Matthias Freitag. Diplom Psychologe Heinz Schmitt lehrte uns: „Der Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen!“ Wie wahr!

Beruflich war ich nach dem Ende der Junggehilfenzeit (mit Schulabschluss mittlere Reife) im Bahnhof St. Goarshausen in den Rangierdienst nach Wiesbaden Hbf versetzt worden. Eine sehr gefährliche Tätigkeit im Gleis zwischen Zug- und Rangierverkehr. Man muss permanent sehr aufmerksam sein, sonst kann es das Leben, oder das Bein kosten.

In dieser Zeit waren Tage wie diese keine Seltenheit:

Aufstehen um 4:00 Uhr, Abfahrt um 04:50 Uhr mit dem Zug nach Wiesbaden zur Frühschicht (Beginn 06:00 Uhr). Ende gegen 13:00 Uhr, dann 3 Stunden in der Kantine warten bis um 16:00 Uhr Ortsvorstands- oder Ortsjugendleitungs-Sitzung beginnt. Danach noch eine gemütliche Runde mit ein zwei Bier und mit dem letzten Zug um 21:30 Uhr nach St. Goarshausen. Zu Hause um 23:00 Uhr – aufstehen ggf. wieder um 04:00 Uhr.

Friedensbewegung

Neben der Gewerkschaftsbewegung begann ich mich auch in der Friedensbewegung zu engagieren. Keine große Demo, ob in Bonn, Stuttgart oder Frankfurt – ich war dabei. Ein Glied in der friedlichen Menschenkette zu sein war für mich selbstverständlich.

Berufliche Situation

Ich wollte die Bahn dann in Richtung Polizei verlassen, da ich im Rangierdienst keinesfalls bleiben wollte und die Bahn mir auch sonst keine Zukunftsperspektive bot. Dies erfuhr Koll. Helmut Karbach, der sich sofort mit Koll. Heinz Schuck vom Bezirkspersonalrat bei der Bundesbahndirektion Frankfurt/M. in Verbindung setzte und mir schließlich mit seinen Kontakten zur Ausbildung zum Bundesbahn-assistenten verhalf.

Diese Ausbildung dauerte ein Jahr und endete im Januar 1980. Zwei Wochen nach bestandener Prüfung kam der Einberufungsbescheid zur Bundeswehr zum 01.04.1980. An meinem Geburtstag, dem 12.06.1980, endete die Bundeswehrzeit aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig. Als Aktivist der Friedensbewegung war ich darüber sehr zufrieden.

Es war auch wichtig, wieder in die Gewerkschaftsarbeit zurück zu kehren. Als Mitglied der GdED Bezirksjugendleitung Frankfurt/M. war ich somit rechtzeitig zur Aufstellung der Listen für die anstehende Wahl von Bezirks- und Hauptjugendvertretung präsent. Dank der Fürsprache des Koll. Eckhard Dziweas wurde ich als Kandidat mit sicherem Listenplatz für beide Gremien nominiert. Ein weiterer wichtiger Meilenstein in meinem Leben.

Wahl in die Jugendvertretungen

Nach der Wahl im März 1982 war ich als gewähltes Mitglied u.a. Teilnehmer am Monatsgespräch mit dem Präsidenten der Bundesbahndirektion, Herrn Jakob Schaus, als auch mit dem damaligen Vorstand der Deutschen Bahn (Vaerst, Eichinger, Wiedemann usw, - später Gohlke, Frieser, Klein, Pällmann). Wir haben dort mit dem Vorstand der DB insbesondere um die Einstellung und Übernahme der Azubis und um die Ausbildungsbedingungen gekämpft.

Als Bezirksjugendvertretung bei der Bundesbahndirektion Frankfurt/M (BJV Ffm) waren wir als 15 köpfiges Gremium zuständig für die Ausbildungsangelegenheiten von rund 2500 Azubis und Beamtenanwärtern in ca. 40 Ausbildungsstellen in Hessen.

Für die Azubis haben wir eine Jugendzeitung „Klartext“ herausgegeben. Das war vor der Zeit mit PC eine enorme Arbeit; insbesondere das Layout! Aus Clipart-Vorlagen wurden Comics oder Figuren ausgeschnitten und eingeklebt. Die Redaktion dafür lag meist bei mir. Mit Unterstützung von Freunden (Koll. Peter Burggraf und Falk Schulze) von der Bundesbahndruckerei wurde „Klartext“ dann dort offiziell gedruckt.

 

Sonderprogramm: 1000 Ausbildungsplätze zum Kaufmann/frau im Eisenbahn- und Straßenverkehr (KIES)

Auf ein Ergebnis bin ich besonders Stolz, weil ich den „Kieselstein“ aufgenommen habe, der die Lawine ins Rollen brachte:

Die Gewerkschaft GdED war blockiert durch einen internen Streit zwischen der Jugend und der Hauptfachgruppe 16 (HFG 16). Die Jugend wollte die Fortführung der nach Berufsbildungsgesetz anerkannten Ausbildung zum Kaufmann/frau im Eisenbahn- und Straßenverkehr, während die HFG 16 die Einstellung von BAss-Anwärtern (Beamtennachwuchs mittlerer. nichttechnischer. Dienst) bevorzugte. Es drohten 1000 freie Ausbildungsplätze bei der Bahn unbesetzt zu bleiben. Dies war vor dem Hintergrund einer viel zu hohen Jugendarbeitslosigkeit ein gesellschaftspolitischer Skandal. So forderte ich gemeinsam mit dem Stuttgarter Koll. Andreas Müller in einer Sitzung der Hauptjugendvertretung (HJV) im März 1983, dass ohne Absprache mit der GdED, die Geschäftsführung der HJV (Vorsitzender: Koll. Wilhelm Fumy und sein Stellvertreter: Koll. Peter Noppinger) dem Bundesverkehrsminister Dollinger mitteilt, dass wir darauf bestehen, dass die Bundesregierung mit einem Sonderprogramm zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit diese 1000 Ausbildungsplätze finanziert und zur Besetzung frei gibt.

Im Juli tagten wir als Bezirksjugendleitung in der GdED-Ortsverwaltung Mainz, als mein väterlicher Freund und Bevollmächtigter von Mainz, Michael Tepel mitten in die Sitzung platzte und die freudige Nachricht verkündete, dass Bundesminister Dollinger das Sonderprogramm soeben bestätigt habe. Was dies für ein Erfolg für zahlreiche junge Menschen war, erfuhr ich dann später in vielen Einzelgesprächen, teilweise mit Glückstränen in den Augen bei den Azubi. Manche hatten 50 und mehr Bewerbungen geschrieben und nur Absagen erhalten. Dann kam das Wunder der Zusage von der Bahn! So habe ich mit meinem nachhaltigen Drängen als Mitglied der HJV das Schicksal von 1000 jungen Menschen positiv beeinflusst. Trotz des Alleingangs gab es gewerkschaftlich keine Probleme, weil auch die Kritiker aus dem Beamtenbereich die Not der Jugend anerkannt haben. Die Erinnerung an dieses tolle Ergebnis half mir später in mancher Frustsituation und nach Niederlagen wieder mit neuem Mut weiter für Arbeitnehmerrechte zu kämpfen.

Vorsitzender der Bezirksjugendvertretung (BJV) der Bundesbahndirektion Frankfurt/M.

Mein Engagement wurde anerkannt. Koll. Matthias Freitag, Vorsitzender der BJV Frankfurt/M, stellte mich immer öfter für die Wahrnehmung von Geschäftsführungsaufgaben frei. Das war in der Heimatdienststelle Güterabfertigung Wiesbaden nicht immer so einfach. Der Personaler und auch die Kollegen, die meine Schicht übernehmen mussten waren nicht gerade erfreut. Ohne die Unterstützung des ÖPR-Vorsitzenden, Koll. und Freund Helmut Kreusel, hätte ich das nicht durchgehalten.

Im November 1983 übernahm Koll. Freitag dann die Aufgabe als Vorsitzender des Bezirkswahlvorstandes zur Wahl des Bezirkspersonalrates bei der BD Frankfurt/M.. Ich wurde als sein Nachfolger zum Vorsitzenden der BJV Frankfurt/M. gewählt und sollte das Amt mit zweimaliger Widerwahl bis zum Oktober 1988 inne haben. Es war eine sehr aktive Zeit der gewerkschaftlichen Jugendarbeit. Als Stichworte sind beispielhaft zu nennen:

·         Kampf um Ausbildungsplätze

·         Verbesserung der Ausbildungspläne

·         CNC Technik für die Ausbildung

·         Praxistrainer für Azubi

·         Schutzkleidung beim Praxiseinsatz

·         Übernahme im erlernten Beruf

·         Keine 32 Stunden Woche ohne Lohnausgleich bei der Übernahme

·         Kampf um die 35 Std Woche mit Lohnausgleich

·         Friedensbewegung gegen Nachrüstung in Ost und West

Dazu gab es auch innerhalb der verschiedenen Gremien unterschiedliche politische Strömungen. So musste ich mich hart gegen links-dogmatische Kräfte behaupten, die kräftig an meinem Stuhl sägten. Das war eine harte aber politisch lehrreiche Zeit.

Kampf um Übernahme mit Besetzung der Ausbildungswerkstatt Awst Frankfurt/M.

Mitte der achtziger Jahre spitzte sich die Auseinandersetzung um die Übernahme der Auszubildenden nach erfolgreicher Ausbildung im erlernten Beruf so zu, dass es zu einer Besetzung der Ausbildungswerkstatt Awst Frankfurt/M. kam, die bundesweite Schlagzeilen auslöste. Der damalige Vorsitzende der örtlichen Jugendvertretung, Koll. Bernd Reisig, hatte die Auszubildenden aufgefordert über Nacht in der Ausbildungswerkstatt zu bleiben und somit der Forderung nach Übernahme der Auszubildenden nach erfolgreicher Ausbildung im erlernten Beruf Nachdruck zu verleihen. Der in der OV Frankfurt für die Jugend zuständige Gewerkschaftssekretär, Koll. Michael Bollmann, organisierte die begleitende Pressearbeit. Der ÖPR Vorsitzende, Koll. Erich Bay zeigte sich uneingeschränkt solidarisch. Eine gelungene Aktion, die uns viel Anerkennung der bundesweiten Gewerkschaftsjugend einbrachte und den Druck auf den Vorstand der Bundesbahn deutlich erhöhte. Die Zahlen wurden deutlich erhöht.

Koll. Reisig ist heute ein berühmter Frankfurter, weil er u.a. den Fußballklub FSV Frankfurt, Nena und das Comedy-Duo „Badesalz“ erfolgreich managte.

Soli-lok - Initiative zum Erhalt und Ausbau das Europ-Camps Eze-sur mer in Südfrankreich

Mit der Entscheidung des Saarlandes der Bundesrepublik Deutschland beizutreten erbte die GdED auch das damalige Jugendfreizeitcamp Eze-sur mer in Südfrankreich. Doch das war Mitte der achtziger Jahre renovierungsbedürftig bzw. es stand zur Schließung an. Die GdED-Jugend wollte es renovieren und erhalten. So wurde zwischen dem Vertreter der Jugend im Hauptvorstand, Koll. Alexander Kirchner, und dem für die Jugendarbeit zuständigen Kollegen Hans Möllmann die Idee einer Soli-lok – Initiative geboren. Aus einem sogenannten „Päckchen“, wie die Gleisbauer das Befestigungsmaterial zwischen Schwelle und Schiene nennen, sollten in den Ausbildungswerkstätten 1000 Soli-Loks gebaut und für je 25,- DM an Funktionäre und Andere verkauft werden. Die zentrale Koordination des letztlich erfolgreichen Projekts lag in meinen Händen. Ich organisierte bundesweit mit meinen Kollegen BJV-Vorsitzenden, dass das Material (Alteisen vom Rückbau von Gleisen) von verschieden Gleisbauhöfen in die jeweiligen Ausbildungswerkstätten geliefert wurde. Die Ausbilder bauten die Sandstrahlung, Schweißung und Lackierung in ihren Ausbildungsplan ein. Befreundete Drucker der BD Frankfurt (Koll. Peter Burggraf und Falk Schulze) druckten uns nummerierte Gutscheine, die wir fortan bundesweit verkauften und nach Fertigstellung der Loks entsprechend gegen das Endprodukt austauschten. So kamen die 25.000,-DM zusammen. Der Hauptvorstand honorierte das Engagement der Jugend und legte nochmals 25.000,- DM aus dem Verkauf der Bildungsstätte Königsstein hinzu. So konnte das Europ-Camp gerettet und modernisiert werden.

 

Erste GdED-Aufkleber 35 Stunden Woche

Ich war 1983 der Erste, der auf eigene Rechnung Aufkleber 35 Std-Woche mit GdED Emblem im L-shop bestellt hat. Da innerhalb der GdED noch ein Streit über den richtigen Weg (Wochenarbeitszeitverkürzung oder Lebensarbeitszeitverkürzung) im Gange war, wurden mir diese Aufkleber sehr schnell von denjenigen abgenommen, die in ausdrücklicher Solidarität mit der IG Metall für eine Wochenarbeitszeit-verkürzung eintraten. Eine Entscheidung der GdED dazu brachte erst ein entsprechender Antrag der GdED Jugend auf dem Gewerkschaftstag 1984 in Hamburg.

Dort stellte ich als taufrischer Jugenddelegierter auch einen Antrag zur Tagesordnung: Zuerst Antragsberatung, dann Vorstandswahlen! Doch der parlamentarisch erfahrene Vorsitzende Ernst Haar bügelte den Antrag ab, er würde den ganzen Zeitplan durcheinander wirbeln! Vier Jahre später in Nürnberg kamen entsprechende Anträge aus den verschiedensten Gremien. Sie wurden mit nur knapper Mehrheit leider wieder abgelehnt. Andere Gewerkschaften machen erst Antragsberatung und dann die Wahlen, das ist m.E. der demokratischere Weg!

Allgemeine Aktivitäten als Jugendfunktionär

Unzählige Seminare, Sitzungen, Tagungen der GdED, des DGB habe ich als Teilnehmer oder Referent mitgemacht. Personal- Betriebs- und Jugendversammlungen gehörten ebenso dazu. Nicht zu vergessen die Jugenddelegationen. Entweder war ich teil der Gastgeber oder selbst Teilnehmer (so z.B. in Ungarn, Sowjetunion, Österreich, Schweiz und USA).

Mai-Demos in Wiesbaden und andere Kundgebungen bundesweit für Arbeitnehmerinteressen fanden mich als Teilnehmer!

Jugenddelegationen

Jede Delegationserfahrung war lehrreich. Unvergessen ist allerdings die Jugenddelegation in die ehemalige UDSSR 1985 (Gorbatschow war Präsident), die uns bis an den Baikalsee führte. Dort besuchten wir nicht nur die Baikal Amur Magistrale (BAM) sondern auch ein Jugend-Pionierlager. Das war so bewegend, dass wir anschließend eine halbe Stunde stumm in unserem Bus saßen und das entgegengebrachte positive Gefühl der jungen Menschen verarbeiteten. Die Delegation bestand neben mir aus der Kollegin Martina Köppl und den Kollegen Harald Schmid, Alfred Hupfauer, Klaus Koch und Helge Acker, sowie einer Dolmetscherin aus Deutschland.

Wahl in den  Bezirkspersonalrat der Bundesbahndirektion Frankfurt/M:

Für die Wahl zum Bezirkspersonalrat (BPR) bei der Bundesbahndirektion in Frankfurt im Jahr 1985 kandidierte der Koll. Heinz Schuck aus der Ortsverwaltung Wiesbaden nicht mehr. Es wurde für Wiesbaden ein Kollege aus dem Bereich Güterabfertigung gesucht. Koll. Helmut Kreusel, ÖPR Vorsitzender der Güterabfertigung Wiesbaden, sollte zunächst benannt werden. Doch Helmut, ein guter Freund, dem ich viel zu verdanken habe, verzichtete zu meinen Gunsten. Doch auch der Lokführer Wilfried Lang aus dem Bw-Mz- Bischofsheim wollte kandidieren. Der Ortsvorstand Wiesbaden entschied sich dann für mich als Kandidat für die Beamtengruppe.

So wurde ich der erste BJV-Vorsitzende, der zeitgleich auch Mitglied im BPR war. Ich nahm an den Sitzungen des BPR in der Gruppe der Beamten Platz und für die BJV wurde ein Ersatzmitglied für mich geladen.

Meine Nominierung zum Vertreter der Jugend im Hauptvorstand (Nachfolger von Koll. Alexander Kirchner)

In der Bundesjugendleitung der GdED gab es, wie in fast allen damaligen Jugendorganisationen, zwei politische Lager: die linken Dogmatiker und die linken Undogmatiker, bei der Partei „den Grünen“ hießen sie „Fundis“ und „Realos“. Durch meine schon vorher beschriebene Auseinandersetzung mit den Fundis im eigenen Bezirk hatte ich letztlich ein Vertrauen beider Lager gewonnen. Man hielt mich für von beiden Seiten tragbar. So wurde ich in der Bundesjugendleitung einstimmig zum Kandidat als Nachfolger von Koll. Alexander Kirchner als Vertreter der Jugend im Hauptvorstand nominiert. Fast 90 % der Jugenddelegierten gaben mir auf der Bundesjugendkonferenz im Februar 1988 in Königslutter ihre Stimme. Das Amt konnte ich dann im November 1988 auf dem Gewerkschaftstag in Nürnberg nicht mehr antreten, weil ich inzwischen hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär geworden bin.

Eigentlich hätte mein Zeit als freigestellter Vorsitzender der Bezirksjugendvertretung Frankfurt/M. im März 1988 aus Altersgründen geendet. Doch es war uns als Gewerkschaftsjugend gelungen eine Gesetzesänderung durchzusetzen. Aus der Jugendvertretung wurde eine Jugend- und Auszubildendenvertretung. Da deren regelmäßige Wahl aus verschiedenen Gründen von März auf Oktober/November verschoben wurde verlängerte sich auch meine letzte Amtszeit um ein halbes Jahr.

Wechsel vom Jugendvertreter zum Gewerkschaftssekretär

Mein Plan nach der Freistellung war: Jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen um als 1985 gewähltes Mitglied der Beamtengruppe im Bezirkspersonalrat eine Einzelfreistellung als Beisitzer an Beamtenprüfungen (Laufbahn bzw. Lokführerprüfungen) teilzunehmen. Zusammen mit den Freistellungen für gewerkschaftliche Gremiensitzungen sollte dabei fast eine Vollfreistellung heraus kommen. Doch es kam anders! Am Ende einer Fraktionssitzung des Bezirkspersonalrates, an der auch i.d.R die hauptamtlichen Bevollmächtigten der OV`en teilnahmen, machte mich Koll. Lothar Krauß auf eine interne GdED-Ausschreibung mit den Worten „das wäre doch was für dich“ aufmerksam. Gesucht wurde ein sogenannter „Schwerpunktsekretär“ für die anstehende Privatisierung zunächst von Teilbereichen der DB (Bus, Reinigung). Doch es gab einen weiteren Bewerber:

Koll. Wilfried Geitz und ich sind uns Anfang der achtziger Jahre im Bezirkspersonalrat der damaligen Bundesbahndirektion Frankfurt am Main zum ersten Mal begegnet. Wie man so schön sagt, stimmte die Chemie zwischen uns beiden von Anfang an. Es war der Beginn einer guten Freundschaft!

 

Wir bekamen beide von unterschiedlicher Seite einen Tipp uns auf die eigentlich interne Ausschreibung zu bewerben, was wir dann auch beide taten.

Nun waren wir also Konkurrenten um ein und dieselbe Stelle.

Doch wie das Leben manchmal sein kann, kam es zu einer Überraschung für uns beide.

Nach dem Vorstellungsgespräch im Geschäftsführenden Vorstand der GdED dauerte es bis zur Entscheidung ungewöhnlich lange. Dann verkündete der damalige Vorsitzende Ernst Haar uns überraschend, dass wir beide jeweils eine glänzende Vorstellung geboten hätten und der Vorstand sich deshalb nach Beratung entschieden habe uns beide einzustellen.

So begannen wir beide am 01.11.1988 unsere Tätigkeit bei der GdED.

Trotz unterschiedlicher Wege haben wir danach nie den Kontakt zueinander verloren.

Im Gegenteil, bei unregelmäßigen Terminen haben wir vertrauliche Gespräche geführt. Jederzeit war uns beiden klar, was unter 4 Augen bleiben sollte, das blieb auch unter 4 Augen.

Wilfried und ich begannen dann unsere Tätigkeit im HV mit einem Zeitvertrag auf zwei Jahre in der untersten Gehaltsstufe. Da wir noch keine Büroräume hatten improvisierten wir mit einer abschließbaren Alu Kiste mit unserem persönlichen Material, die wir jeweils in die freien Sitzungsräume in der Beethovenstr. mitnahmen um dort zeitweise zu arbeiten.

Damals war es auch noch notwendig Ferngespräche mit Angabe des Grundes durch die Fernschreibzentrale vermitteln zu lassen. Was für Zeiten!

Wir besuchten dann einige Seminare der IG Metall in deren eindrucksvollen Bildungszentrum in Sprockhövel oder der Friedrich-Ebert-Stiftung in Würzburg. Auch durchliefen wir die einzelnen Fachabteilungen des GdED-Hauptvorstandes. Da uns ein weitere Kollege zur Unterstützung angekündigt war sammelten wir auch für ihn das Material, welches wir bei den einzelnen Abteilungen bekamen. Doch der Kollege kam von der DGB Bundesschule Hamburg-Saasel und meinte er brauche das nicht und warf es in den Papierkorb.

Wechsel in die Abteilung Betriebs- und Personalräte

Leider konnten wir unser Schwerpunktthema „Bahnprivatisierung“ nur kurze Zeit bearbeiten. Eigentlich sollten wir wie „Hefe im Teig“ den Umbruch innerhalb der Organisation vorbereiten, doch zunächst wurde Wilfried in die OV Kassel abgeworben um dann später in der Tarifabteilung tätig zu werden. Ich bekam ein Angebot vom stellv. GdED - Vorsitzenden Hans Möllmann in die Abteilung Betriebs- und Personalräte zu wechseln. Ich brauchte nicht lange zu überlegen, schließlich kannte ich Leo, Edith und Georg schon lange und es gab einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit besserer Eingruppierung.

Dort habe ich insbesondere von Edith und Georg sehr viel gelernt. Meine Hauptaufgabe war zunächst die Zusammenarbeit mit den Jugendvertretungen und dem Bundes-Betriebsräte-Ausschuss. Bereits vor der Privatisierung gab es Betriebsräte im Organisationsgebiet der GdED (z.B. Westfälische Landeseisenbahn, Transfracht, Teutoburger-Wald-Eisenbahn, Osthannoversche Eisenbahn sowie zahlreiche Berg- und Seilbahnen wie Zugspitz- und Wendelsteinbahn). Es war immer eine besondere Freude mit Kollegen BR wie Edgar Lillier, Anton Grüne, Wilfried Tinat und Horst Drechsel zusammen zu kommen. Die Erfahrungen aus diesem Bereich mit dem Betriebsverfassungsgesetz waren uns allen bei der Gründung der DB AG sehr hilfreich.

Kollege und Freund Hartmut Polzer kam dann als Abteilungsleiter zu unserem Team hinzu. Das passte hervorragend. Es war eine tolle und erfolgreiche Zeit!

Deutsche Einheit – Schulung der Wahlvorstände in Güsen bei Magdeburg

Doch vor der Gründung der DB AG gab es eine mindestens genauso große Herausforderung. Die Politik Michael Gorbatschows und der friedliche Protest der Bürgerinnen und Bürger der DDR führten schließlich zur Deutschen Einheit. Zwei Deutsche Bahnen (Deutsche Reichsbahn und Deutsche Bundesbahn) gehörten zu unserem Organisationsgebiet. Unsere Aufgabe bestand darin, schnellstmöglich freie und unabhängige Wahlen zu Personalräten in dem Bereich Deutsche Reichsbahn (DR) durchzuführen.

Der Versuch das bessere, stärkere Betriebsverfassungsgesetz dort zur Anwendung zu bringen scheiterte an den konservativen Mehrheiten in den zuständigen Parlamenten. So beschloss noch die Volkskammer der DDR als letzten Tagesordnungspunkt vor der Sommerpause 1990 des „PersVG – DDR“.

Auf Basis dieses Gesetzes organisierte die GdE, in Kooperation mit der GdED, Wahlvorstände in Güsen bei Magdeburg zu schulen. Zunächst Edith und ich, dann Edith und Georg brachten ausgewählten Multiplikatoren aus der ganzen DR die Grundzüge des neuen demokratischen Wahlrechts bei.

18 zweitägige Seminare waren eine enorme Herausforderung bei großer Hitze und schlechter Infrastruktur. So konnte ein Kontakt zwischen uns Referenten und dem Hauptvorstand nur über das bahneigene Basanetz hergestellt werden. Es bedeutete, dass wir zum Fahrdienstleiter des Bf Güsen gehen mussten, um Erlaubnis bitten mussten zu telefonieren, beim Büro des GdED-Vorsitzenden anriefen (nur dort gab es Basa im HV der GdED), dass Hans Möllmann an den Apparat kommen sollte. Erst dann konnten wir uns mit unserem Chef verständigen.

Kopien konnten nur mühsam in geringer Anzahl auf Thermodruckern hergestellt werden. Dies bedeutete eine genaue und umfangreiche Vorarbeit. Mir bis heute unvergessen ist die Anreise mit Ediths Audi Coupe, der mit Sicherheit überladen war. Ich weigerte mich an einer Stelle weiter schweres Papier zu zu laden. Wir kamen später in Frankfurt los als geplant und gerieten nach Hannover in einen Stau! Koll. Manfred Fischer von der GdE wartete so vergebens auf die Ankunft der doch so wichtigen Referenten. Zumal er von Koll. Möllmann die Info hatte wir kämen mit dem Zug nach Magdeburg. So wurden Ramerth und Geisel bei jedem aus dem Westen ankommenden Zug in Magdeburg vergeblich über die Bahnhofslautsprecher ausgerufen.

Schließlich erreichten wir in absoluter Dunkelheit und mit Unterstützung eines jugendlichen Radfahrers als Wegweisers unsere Schulungsstätte. Dort klingelten wir den Koll. Fischer aus dem Bett. Der war sehr erleichtert, dass wir doch noch rechtzeitig angekommen waren. Ein unvergessenes Erlebnis. Zum Verdruss von Edith hatte ich bereits unterwegs im Stau alle mitgebrachten westlichen Biervorräte vertilgt, aber das örtliche Bier mundete uns dann auch.

Die zweitägigen Schulungen waren so organisiert, dass die Anreise am ersten Tag bis 11:00 Uhr erfolgte. Dann wurde in überhitzten Schulungsräumen bis ca. 21:00 Uhr gepaukt. Am zweiten Tag wurde von 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr gelehrt. Dann ging es am nächsten Tag um 11:00 Uhr weiter. Wochenendfrei gab es nicht.

Seminare für die Gewählten in Königs-Wusterhausen

Nach der Wahl der Personal- und Jugendvertretungen mussten die Gewählten natürlich auch geschult werden. So organisierte die GdE mit Koll. Manfred Fischer die entsprechenden Seminare in Königs-Wusterhausen bei Berlin. Viele Funktionäre aus den neuen Bundesländern werden sich noch gut daran erinnern können.

Edith, Georg und ich traten als Referenten auf. Bei Referentenwechsel gaben wir uns das „West-Klopapier“ in die Hand. Manfred Fischer schaltete des Öfteren nachts den Strom aus, wenn Edith und Georg nachts kein Ende in der Diskussion mit den Teilnehmern fanden. Es war eine Schutzmaßnahme von M. Fischer für eine ausreichende Nachtruhe der Referenten.

Bahnreform machte Personalräte zu Betriebsräte bzw. zu Koordinatoren

Die Bahnreform brachte auch einen Wechsel vom Bundespersonalvertretungsgesetz zum Betriebsverfassungsgesetz mit sich. Die bisherigen Stufenvertretungen Bezirks- und Hauptpersonalrat gab es auf einem Schlag nicht mehr. Ein Problem für über 100 Freigestellte, die z.T. über Jahrzehnte in diesen Stufenvertretungen sich um die Arbeitnehmerinnen-Interessen verdient gemacht hatten. Wir schufen über eine tarifvertragliche Regelung eine angemessene Lösung: Als personenbezogen freigestellte Koordinatoren unterstützten sie die neuen Betriebsräte und besonderen Personalvertretungen bei ihrer Arbeit. Mit umfangreichen Seminarunterlagen „Unterschiede BPersVG zum BetrVG“ qualifizierten wir als Abteilung Betriebs-und Personalräte die Funktionäre für ihre neue Aufgabe. Eine sehr intensive arbeitsreiche Zeit, wo nur wenig Zeit für privates blieb. Doch der Erfolg sollte uns später im Halse stecken bleiben.

Zerschlagung der Abteilung Betriebs- und Personalräte

Wir waren dem Geschäftsführenden Vorstand als Räte-Abteilung zu mächtig geworden. Der bundesweite interne Spruch: „Hast du Sorgen oder Nöte, dann frage die Abteilung Räte“ hat uns zwar mit Stolz erfüllt, wurde aber unserer Sargnagel. Trotz des Appels des stellv. GdED-Vorsitzenden Hans Möllmann beim Gewerkschaftstag in Köln 1992 die Abteilung Betriebs-und Personalräte nicht  aufzulösen, setzte der damals amtierende GdED Vorsitzende Rudi Schäfer die Zerschlagung schon am nächsten Tag um. Rudi, das verzeihe ich dir bis heute nicht!!!

Das muss ein Mensch erst mal verkraften. Er arbeitet nahezu 7 Tage die Woche fast rund um die Uhr um die Erfordernisse rund um die deutsche Einheit und die Bahnreform für die Organisation erfolgreich zu gestalten. Dies gelingt auch und findet Anerkennung in der Funktionärs- und Mitgliedschaft, passt aber nicht ins Machtgefüge und wird vernichtet.

 

Berufliche Bildung

So fand ich mich nach dem Gewerkschaftstag in Köln in der Abt. Berufliche Bildung im Vorstandsbereich von Renate Toewe wieder. Gemeinsam mit Koll. Berthold Jungkunz kümmerte ich mich nun also um die gewerkschaftlichen Interessen in der beruflichen Bildung. Ein Thema, das mir als ehemaligen Jugendvertreter nicht fremd war. Dennoch war es ein ganz anderes Arbeiten als bisher. Ich trauerte der alten Zeit solange nach bis der Geschäftsführende Vorstand zur Einsicht kam, die Räteabteilung unter Renate Toewe wieder aufzubauen.

Wiedererstehung der Räteabteilung unter Renate Toewe

Fortan war ich für die gewerkschaftliche Zusammenarbeit zunächst mit HJAV DB und DR und später mit HPR DB und DR bzw GBR DBAG zuständig. Koll. Siegfried Moog, Thomas Lob, Alfred Hupfauer sowie Ria Steinke und Ronny Fischer von den HJAV sind ebenso zu nennen wie Werner Mößinger und Benno Bryza. Gemeinsam haben wir viel für die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner erreicht.

Neben der Begleitung der monatlichen Sitzungen war die Vorbereitung und Durchführung der Wahlen eine herausragende und wichtige Aufgabe. Zunächst in der Zusammenarbeit mit den Hauptwahlvorständen von DB und DR und später einer Koordinierungsstelle Wahlen wurden die rechtlichen Grundlagen für erfolgreiche Wahlen gelegt.

Die Ergebnisse fassten wir Anfang der neunziger Jahre noch auf privaten PC`s zusammen und präsentierten sie im Bundespersonalräte- bzw. später im Bundesbetriebsräteausschuss. Als ein Kollege des BZA München nach einer Präsentation sich zu Wort meldete: „Das ist ja hier wie im Fernsehen (er meinte die erstmaligen Folien mit Kuchen- und Balkendiagrammen)“ war das Ausdruck für unsere gute Arbeit. Der Vorstand war stolz auf uns.

Die Vorbereitung und Durchführung der Bundespersonalrätekonferenzen (gerne als kleine Gewerkschaftstage bezeichnet) waren eine weitere wichtige Arbeit unseres Teams.


Besondere Personalvertretungen

Die neue Struktur der Interessenvertretung brachte auch „Eifersüchteleien“ untereinander mit sich. Wir als Abteilung im Betriebs- und Personalräte vertraten die Auffassung, dass in bestimmten Fällen der Mitbestimmung, wo es eine Doppelzuständigkeit zwischen der besonderen Personalvertretungen und den Betriebsräten gab, letztlich die Entscheidung des Betriebsrates maßgebend sei, weil die Betriebsräte ein stärkeres gesetzliches Durchsetzungsrecht haben. Dies gefiel jedoch den besonderen Personalvertretungen nicht. Insbesondere der damalige Vorsitzende des Besonderen Hauptpersonalrates, Koll. Josef Herrmann, agierte gegen uns.

So kam es zum Höhepunkt der Auseinandersetzung bei einer Versammlung der besonderen Personalvertretungen im Sitzungssaal Hauptbahnhof Frankfurt/M. Im Auftrag unserer Abteilung musste ich in die Höhle des Löwen! Anschließend war ich die Persona non grata in den besonderen Personalvertretungen. Nur durch die spätere Mithilfe des Nachfolgers im Vorsitz des Besonderen Hauptpersonalrates, Koll. Werner Precht wurde ich sozusagen rehabilitiert.

Die Rechtsprechung hatte zwischenzeitlich auch unsere Auffassung bestätigt.

Arbeitshilfe für SVP

Im Jahr 1990 lud der damalige Hauptvertrauensmann der Schwerbehinderten der DB seine Kollegen Bezirksvertrauensmänner gemeinsam mit ihren Amtsbrüdern der DR nach Worms zu einer Tagung ein. Die Kollegen Klaus Keil, Friedhelm Geuting u.a. holten ihre jeweiligen Aufzeichnungen hervor und brachten den Kollegen der DR das ABC der Arbeit der Schwerbehindertenvertretungen bei. Daraus entwickelte sich bei  mir die Idee der Erstellung einer Arbeitshilfe für Schwerbehindertenvertretungen. Gemeinsam mit dem Büro des HVSchw DB, Kollegin Dagmar Giebeler habe ich in einer Zeit mit sehr viel Stress dann diese heute noch beliebte Arbeitshilfe erstellt. Sie hat sehr vielen SVP die Arbeit der Interessenvertretung wesentlich erleichtert und damit vielen Menschen mit Handicap weiter geholfen.

Günstige Hotelangebote für unsere Mitglieder

Es war bei einem Geburtstag meiner Cousine Christiane Adam, als ich mit ihrer besten Freundin, Heike Peter, ins Gespräch kam. Sie ist Empfangschefin im Hotel Berlin in Hamburg. Sie berichtete mir von ihrer Belegungsproblemen in den Sommermonaten. Daraus entstand die Idee für die Mitglieder der GdED besonders günstige Hotelangebote anzubieten. Ich bat sie mir mal ein Angebot für ihr Hotel und das Schwesterhotel zu übersenden. Damit ging ich zum Chefredakteur des „Deutschen Eisenbahner“, Koll. Reinhard Sauer. Ich brauchte jedoch letztlich die Unterstützung seiner Sekretärin Waltraud Bausch-Röhrborn um ihn zu überzeugen die beiden Hotelangebote in unserem Mitgliedermagazin zu veröffentlichen. Tausende Mitglieder haben inzwischen von dem noch auf andere Städte erweiterten Angebot Gebrauch gemacht. Beschwerden sind keine bekannt, Lob hingegen geht viel ein. Ein wichtiger Beitrag zur Mitgliederbindung! Gedankt hat es mir bis heute niemand!

Wechsel in die Sozialpolitik

Vor dem Gewerkschaftstag 1996 kam Koll. Rainer Grab auf mich zu und bot mir einen Wechsel in die Sozialpolitik an. Sein bisheriger Abteilungsleiter, Koll. Gerhard Helmlinger, wolle zurück in den Bezirk Karlsruhe. Abteilungsleiter werde Koll. Knoll, aber das sonstige Arbeitsgebiet solle ich übernehmen. Ich brauchte auch hier nicht lange überlegen. Es war für mich die Chance aus dem Schatten von Edith und Georg heraus zu treten. Wir waren zwar ein eingeschworenes Team, aber ich wurde oft nur als deren „Anhängsel“ wahrgenommen. Der Abschied fiel schwer. Insbesondere Edith hatte es tief getroffen. Lange betrachte sie es als Verrat an unserer Räte-Gemeinschaft. Doch dann hat die Zeit die Wunden geheilt.

Obwohl ich Rainer Grab schon vor dem Gewerkschaftstag zugesagt hatte, versuchte Lothar Krauß mich nach dem Gewerkschaftstag in der Rätearbeit zu behalten. Es gab dem Vernehmen nach dazu eine längere Diskussion im GV. Man traf allerdings keine Entscheidung, die wurde mir überlassen. Das war allerdings damals für mich keine Frage, denn ich hatte Rainer ja mein Wort bereits gegeben. Also wechselte ich in den Vorstandsbereich von Rainer Grab.

Rainer hat mich mit offenen Armen in deinem Team aufgenommen:

Und jetzt kommt das Erlebnis, warum ich das hier aufschreibe. Es bleibt für mich unvergessen:

Als ich die Tür zu meinem neuen Büro öffnete, stand eine Rose auf meinem Schreitisch und daneben auf einem handgeschriebenen Zettel stand:

Herzlich willkommen!

 

Ich denke, das sagt alles über Menschlichkeit, eine Herzlichkeit, wie man auch miteinander umgehen kann!

Meine Aufgaben in der Sozialpolitik

Ich hatte von Koll. Gerhard Helmlinger u.a. die Aufgabe der Zusammenarbeit mit der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten inkl. Beihilferechte für Bundesbeamte geerbt. Der amtierende Vorsitzende der Vertreterversammlung, Koll. Günter Oft war besorgt, ob ich genauso gut Skat spielen konnte wie mein Vorgänger! Die Sorge war berechtigt, denn Gerhard war eher ein offensiver Draufgänger als Spieler, während ich eher zögernd und überlegter agierte. Günter hat danach manche Spielrunde mehr verloren.

Koll. Manfred Bernd hat mich in die Gepflogenheit bei der KVB dankenswerterweise gut eingeführt. Ein Besuch in der Karlsstr. dauerte immer sehr lange, denn jeder wichtige Bearbeiter wollte von dem GdED – Vertreter aufgesucht sein. Das war manchmal anstrengend hatte aber auch den Vorteil bestens über die aktuellen Abläufe in der KVB informiert zu sein.

Ich glaube es war im Jahr 1997 als dann innerhalb der Sozialpolitik der GdED die Entscheidung fiel die Gesundheitspolitik komplett in eine Hand zu geben. Die Aufgabe fiel mir zu. Damit war ich dann neben der KVB auch für die BAHN-BKK zuständig.

Gesundheitsreformen und deren Folgen für die BAHN-BKK

Mitte der 90`er Jahre gab es die erste Gesundheitsreform unter Bundesminister Seehofer. Diese hatte auch Auswirkungen auf die BAHN-BKK. Eine vom Personalvorstand der DB AG, Dr. Horst Föhr, beauftragte Wirtschaftsberatungsgesellschaft mit Namen „WIBERA“ wurde tätig. Der Berater hieß Hans-Jörg Gittler und wurde später Vorsitzender der Geschäftsführung der BAHN-BKK. Ein mir guter Bekannter, spielten wir doch gemeinsam Musik in der Jugendfeuerwehrkapelle Kestert. Das machte manches einfacher!

Die Restrukturierung der BAHN-BKK mit Einführung von Regionalgeschäftsstellen und teilweise Schließung von Standorten war schon ein harter Brocken. Ohne die stets kompetente und sachliche Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung des Hauptpersonalrates der BAHN-BKK, Koll. Jan Urban und Stefan Crüll wäre das letztlich nicht so erfolgreich gewesen.

Mitglied im Verwaltungsrat BAHN-BKK und dessen Ausschüsse

Mit der Zuständigkeit für die BAHN-BKK wurde ich dann auch für die Wahl in den Verwaltungsrat und diverser Ausschüsse vorgeschlagen und gewählt.


Sprachseminar Universitäty of Northumbria New Castle 14. bis 28.09.1998

Ich betrachte es bis heute als Anerkennung und Wertschätzung meiner in der Sozialpolitik geleisteten Arbeit, dass Koll. Rainer Grab mich für eine Weiterbildung des Europäischen Gewerkschaftsbundes vorschlug. Nach bestandener Sprachvorprüfung durfte ich an der englischen Universitäty of Northumbria in New Castle an einem 14 tägigen Sprachenseminar mit 20 weiteren Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa teilnehmen (Zertifikat s. Anlage).

Bahnärtze

Im Rahmen meiner Zuständigkeit für die Wahrnehmung gewerkschaftlicher Interessen der Bahnärzte (Vorsitzender des Arbeitskreises war Dr. Norbert Wenning) haben wir zahlreiche Tagungen durchgeführt.

Ich war aber auch zu einem Kongress der Bahnärzte im Mai 1997 (?) nach Weimar eingeladen. Die Tagung begann am Himmelfahrtstag im Hotel Hilton. Ich reiste abends an und erhielt an der Rezeption die Auskunft, dass meine Sekretärin mein Zimmer storniert hätte und auch in ganz Weimar kein Hotelzimmer mehr zu haben sei. Die angebliche Stornierung war eine dreiste Lüge des Hotelpersonals, wie sich bei meiner Beschwerde beim Hoteldirektor heraus stellte. Sie hatten bei Vollbelegung mein Zimmer einfach weiter verkauft. So bekam ich dann ein kostenloses Bediensteten-Zimmer und ein kostenloses Abendessen mit einer Flasche guten Rotweins als Entschuldigung.

 

Aufsichtsrat und Präsidium Bahn-Sozial-Werk (BSW)

Die Stiftung Bahn-Sozialwerk (BSW) ist eine betriebliche Sozialeinrichtung des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) und der Deutschen Bahn AG. Die Wurzeln der Stiftung liegen um das Jahr 1900 im Verbund von Vereinen, in denen sich Eisenbahner aus ganz Deutschland zusammengeschlossen hatten. Seitdem leistet das BSW aktive Unterstützung und Hilfe in allen Lebenslagen. Rund 360.000 aktive und ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG und deren Partnerunternehmen unterstützen bundesweit das soziale Engagement der Stiftung BSW. Neben dem sozialen Rückhalt bietet die Stiftung die Möglichkeit, Gleichgesinnte für Hobby und Freizeit zu finden.

Mit der Gründung der DB AG musste auch das BSW sich neu organisieren. Aus  einer betrieblichen Sozialeinrichtung wurde eine Stiftung! Aus Erholungsheimen wurden Ferienhotels. In dieser schwierigen Zeit der Restrukturierung zog sich die erste Garde der Interessenvertretung zurück und so kam es, dass ich als erster  Repräsentant unserer GdED in den Aufsichtsrat und in das Präsidium des Aufsichtsrats einzog. Vorsitzender des AR war Koll. Rolf Bröll vom KBR der DB AG und stellv. Vorsitzender, Herr Linder – Vize-Präsident des BEV. Es war eine Zeit harter Auseinandersetzungen insbesondere um Zukunft und Erhalt der Erholungseinrichtungen. Nicht alle hatten vorrangig die Interessen der BSW-Mitglieder im Sinn, deshalb war es umso notwendiger dass wir hart blieben. Koll. Rainer Grab kann leidvoll aus dieser angespannten Zeit berichten.

Verkauf der Eisenbahnerwohnungen (s. a. Anlage 2)

Im Mai 1998 erhielt der GdED Vorsitzende Rudi Schäfer Besuch aus Bonn. Michael Harting (FDP) , Unterabteilungsleiter für Eisenbahnen im Bundesministerium für Verkehr hatte dem Vernehmen nach zwei für unsere Mitglieder heikle Botschaften in seinen Reisegepäck!

  1. Wegfall der Fahrvergünstigungen für Beschäftigte des Eisenbahnbundesamtes (EBA) und der
  2. Beabsichtigte Verkauf der 112.000 Eisenbahnerwohnungen

Beides schlug intern ein wie eine Bombe! Koll. Rainer Grab und ich hatten fortan die Aufgabe die Mitgliederinteressen in beiden Fällen zu wahren.

Der Wegfall der Fahrvergünstigungen für Beschäftigte des Eisenbahnbundesamtes (EBA) war zwar eine für die Betroffenen harte aber politisch nachvollziehbare Entscheidung des Ministeriums. Wer wollte nach der Bahnreform der Öffentlichkeit erklären, dass die die Bahn beaufsichtigenden Mitarbeiter gerade von dieser Bahn weiterhin Fahrvergünstigungen erhält. Das einzige Argument war: Besitzstand für bisherige Beschäftigte und Wegfall für neue Beschäftigte, doch das wurde nicht akzeptiert. Das war für viele Betroffene schon ein deutlicher Einkommensverlust, insbesondere bei schulpflichtigen Kindern, die bisher kostenfrei mit Bahn und Bus zur Schule fuhren. Es gab dann sehr heftige Diskussionen im Gesamtpersonalrat des EBA, insbesondere die GDBA-Fraktion bezichtigte unseren Vorsitzenden Rudi Schäfer, dass er sie verkauft habe. Angeblich sollte es einen Vermerk von Harting geben, der dies Belege. Gesehen haben Rainer und ich ein solches Dokument nie. Die Folge waren eindeutige Mitgliederverluste im EBA und knappe Wahlausgänge bei Personalratswahlen.

Das Thema Verkauf der Eisenbahnerwohnungen allerdings sollte uns noch Jahre beschäftigen und ein regelrechter Politkrimi werden.

Am 27.12.1993 trat das Eisenbahnneuordnungsgesetz in Kraft. Darin war die Fortführung der Eisenbahnerwohnungsgesellschaften als betriebliche Sozialeinrichtung des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) ausdrücklich fest geschrieben.

Am 24.06.1998 gab der Bundesverkehrsminister (und CDU Bundesschatzmeister), Herr Matthias Wissmann die Entscheidung der Bundesregierung bekannt, die 112.000 Eisenbahnerwohnungen an einen privaten Investor zu verkaufen.

Ebenfalls am 24.06.1998 erklärte die wohnungspolitische Sprecherin der SPD, Elke Ferner, dass die SPD bei einem Regierungswechsel bei der anstehenden Bundestagswahl den Verkauf verhindern werden. Ein Grund warum viele Mieter dann SPD gewählt haben, aber Sie wurden genauso wie von Kohl/Waigel auch von Schröder und Lafontaine verraten. Immer wieder behaupteten sie, sie hätten bereits unterzeichnete Verträge der Vorgängerregierung vorgefunden, die nicht mehr rückgängig zu machen währen. Eine dreiste Lüge, wie sich später heraus stellen sollte und die wir auch nicht glaubten.

Wir, das waren insbesondere:

Dieses Netzwerk leiste erbitterten Widerstand gegen den Bruch des Wahlversprechens der SPD und der damit verbundenen Verschleuderung von Volksvermögen, denn schließlich sollten rund 14 Milliarden Wert für weniger als die Hälfte (6,1 Mrd. DM) an das Ehepaar Karl und Ingrid Ehlerding mit ihrer Firma „WCM“ verscherbelt werden.

Ich habe zur Verständigung untereinander das Internet genutzt und dort alle Aktivitäten aktuell eingestellt (s. Anlage). Sogar das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen verwies später Anfragende offiziell auf diese wichtige Website mit der Chronologie der Auseinandersetzung.

Da auch die neue Bundesregierung unter Bruch ihres Wahlversprechens am Verkauf festhält kommt es zu harten Auseinandersetzung dieses o.g. Netzwerkes mit der Regierung Schröder. Formell lehnt der Hauptpersonalrat des Bundeseisenbahnvermögens die Verkaufsverträge bis zum Schluss ab. Auf den Vorsitzenden, Koll. Klaus Meyer wird erheblicher politischer Druck ausgeübt, doch dieser kann sich auf seine Plenumsmitglieder und seine Gewerkschaft verlassen. Insbesondere seit der Wahl des Koll. Norbert Hansen zum GdED Vorsitzenden kam nochmal frischer Wind in die Auseinandersetzung. Franz Müntefering soll heute noch von der Aktion auf dem außerordentlichen Gewerkschaftstag im Frühjahr 1999 in Frankfurt sprechen. Koll. Erich Bay mit Patricia Knoll als seiner fiktiven Tochter hatte ihm die Situation und die Interessenslage der betroffenen Eisenbahnerfamilien eindrucksvoll dargestellt.

Ich bat auch meine Bundestagsabgeordnete und Bundesministerin Heidemarie – Wieczorek Zeul um Unterstützung gegen den Verkauf. In einem langen Telefonat teilte sie unsere Sorgen machte mir aber keine Hoffnung, dass der „sture Saarländer Oskar Lafontaine“ von seinem Vorhaben noch abzubringen sei. Das war zumindest eine ehrliche und leider auch richtige Einschätzung. Heidi hatte es insbesondere unter Gerhard Schröder nicht leicht. Sie ist eine Sozialdemokratin im Geiste Willy Brandts. Dafür schätze ich Sie bis heute sehr.

Kontakt mit Alt-OB von München, Herrn Georg Kronawitter

Unvergessen bleibt mit ein Telefongespräch mit dem Alt-OB von München, Herrn Georg Kronawitter. Er war entsetzt über die Entwicklung mancher Sozialdemokraten, er sagte sinngemäß: „Für die war ich zu deren Juso-Zeiten ein rechter Sack und jetzt sind sie Minister oder Kanzler und ich kann sie beim Blick mit dem Fernglas nach rechts kaum noch wahrnehmen!“ Er schrieb an Kanzler Schröder: „Ja habt ihr noch alle Tassen im Schrank? Ihr befreit die Veräußerung von Unternehmensanteilen von der Steuer und verkauft unseren treuesten Wählerinnen und Wählern ihre Wohnungen. Damit verkauft ihr ein Stück Seele der SPD!“

Die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsgesellschaften (ARGEWO)

Die Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsgesellschaften (ARGEWO) hatte inzwischen ein Alternativmodell erarbeitet und vorgelegt. Es beinhaltet die Privatisierung durch Einzelverkauf und sichert dem Bund die gleichen Einnahmen wie durch den geplanten Gesamtverkauf, nur am Ende verbleibt etwa rund die Hälfte der Wohnungen weiter im Bundesbesitz. Im November 1999 wird das Modell dem Minister Müntefering offiziell vorgelegt.

Mit voller Unterstützung der GdED nutzte der Hauptpersonalrat des BEV alle seine rechtlichen Möglichkeiten des Widerstandes gegen den Verkauf. Als vom HPR benanntes Mitglied der Einigungsstelle war ich jedes Mal unmittelbar Beteiligter.

Die Grundlage für die Enthüllung des Skandals

Ich behaupte, dass es nur 3 Personen gab, die sich bis ins Detail in diesem Politkrimi auskannten: Der HPR Vorsitzende, Klaus Meyer, mein Vorstandsmitglied Günter Ostermann und ich. So kam es immer wieder vor, dass anfragende Journalisten (FAZ, SZ, Fokus, Spiegel etc) von unserem Pressesprecher an mich durchgestellt wurden.

So habe ich oft sehr lange Hintergrundgespräche mit den sehr interessierten Journalisten geführt. So auch mit der Wirtschaftsredakteurin, Marie-Louise Hauch-Fleck von der Wochenzeitung „Die-Zeit“. Frau Hauch-Fleck sagte mir dann im Frühjahr 1999 in einem Telefonat: „Herr Geisel, ich habe noch nie an einer Sache recherchiert, die so zum Himmel stinkt, aber ich komme nicht auf die Quelle des Geruchs! Noch nicht! Ich verspreche Ihnen ich bleibe an der Sache dran.“ Sie sollte Recht behalten, doch dazu später mehr.

Nachdem die Einigungsstelle am 11.08.1999 den geplanten Verkauf für rechtswidrig erklärt und damit abgelehnt hat besserte die Bundesregierung die Verträge in Sachen Mieterschutz nach und legte sie dem Hauptpersonalrat des BEV erneut zur Beschlussfassung vor. Nach dessen wiederholter Ablehnung kam es am 17.11.1999 zu einer zweiten Sitzung der Einigungsstelle. Der Vorsitzende Richter sah diesmal die Bedingungen zum Erhalt der betrieblichen Sozialeinrichtung durch die getätigten Nachbesserungen als erfüllt an. Somit blieb rechtlich für den HPR und die GdED nur der Weg zum Gericht.

Am 03.12.1999 entschied das Verwaltungsgericht Frankfurt, dass der geplante Verkauf rechtswidrig ist. Ein Aufschrei ging durch die Presse!

Am darauffolgenden Wochenende war Bundesparteitag der SPD. Vor dem Hintergrund der Gerichtsentscheidung stellten unsere parteiinternen Unterstützer einen Initiativantrag gegen den Verkauf. Die Stimmung soll dafür gewesen sein, so Beobachter. Doch dann trat Bundeskanzler Schröder ans Rednerpult und appellierte den Antrag an die SPD – Bundestagsfraktion zu verweisen.

Prompt erhielt Koll. G. Ostermann eine Einladung in den wohnungspolitischen Ausschuss der SPD – Bundestagsfraktion für Montag 13.12. 1999 nach Berlin. Doch alle Hoffnung kehrte sich ins Gegenteil. Am Abend rief er mich an und sagte, dass die SPD-Parlamentarier nicht vom Verkauf ablassen wollten und ihn zur Zustimmung bewegen wollten. Koll. Ostermann tauchte frustriert für einen Tag ab. Verständlich, aber schade, denn es gab eine Sensation zu vermelden.

Der CDU Spendenskandal wird aufgedeckt

Am Mittag des darauf folgenden Dienstag rief mich die Wirtschaftsredakteurin, Marie-Louise Hauch-Fleck von der Wochenzeitung „Die-Zeit“ nach längerer Zeit an und kündigte mir an: „ Sehr geehrter Herr Geisel, morgen platzt die Bombe, ich bin auf die Quelle des Geruchs gestoßen! Die CDU hat die größte Einzelspende ihrer Geschichte von den potentiellen Erwerbern der Eisenbahnerwohnungen erhalten!“ Schalten Sie morgen Mittag die Medien ein. Es gibt um 14:00 Uhr eine Pressekonferenz – alles weitere dann später!

Das war ein Knaller und ich konnte meinen Chef nicht erreichen. Erst am Mittwoch –Vormittag sollte es mir zu unserer gemeinsamen Freude gelingen ihn noch vorab zu informieren.

Um 14:00 Uhr traten in Berlin der Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/DieGrünen und Wirtschaftsredakteurin, Marie-Louise Hauch-Fleck von der Wochenzeitung „Die-Zeit“ vor die Bundespressekonferenz und verkündeten die Großspende der Fam. Ehlerding (1,8 Mio DM, z.T. als Darlehen getarnt) im Zusammenhang mit dem Verkauf der Eisenbahnerwohnungen. Sie war in dem noch unveröffentlichten Bericht des Bundestagspräsidenten über die Parteispenden durch Marie-Louise Hauch-Fleck bei Rezzo Schlauch entdeckt worden.

Es gab fortan an diesem und am nächsten Tag bundesweit keine Nachrichtensendung oder Zeitung, die diesen Skandal nicht thematisierte.

Es war Zufall, dass am Donnerstag, 16.12.1999 eine Sendung im ZDF „Was nun Herr Kohl“ auf dem Programm stand. Die Journalisten Klaus Bresser und Klaus Siegloch konfrontierten den Bundeskanzler direkt zu Beginn mit den Enthüllungen. Kohl reagierte beleidigt, denn er habe doch mit dem geplanten Verkauf an die deutschen Ehlerdings den Verkauf an die Japaner verhindert (s. Anlage). Im weiteren Verlauf gab er weitere maßgebliche Spenden an die CDU zu, deren Herkunft er bis heute verweigert zu nennen.

So haben wir mit dem Thema: Verkauf der Eisenbahnerwohnungen die Geschichte unseres Landes maßgeblich, wenn auch ungewollt mit geschrieben. Es war nämlich das Ende der Ära Kohl und der Aufstieg von Angela Merkel.

Trotz aller erneuten Appelle der GdED und des DMB sowie weiterer Unterstützer an die Regierung Schröder nun von dem skandalisierten Vorhaben abzulassen, erfolgte eine Neuausschreibung. Spätestens an dieser Stelle platzte auch die SPD-Lüge der „bereits unterzeichneten Verträge“!

In einem neuen Bieterverfahren bekam die Deutsche Annington (Tochter der japanischen Nomura Bank) den Zuschlag für den größten Teil der Wohnungen. Schließlich hob dann das Bundesverwaltungsgericht am 28. Juni 2000 in Berlin die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Frankfurt/M. auf. Mieterabordnungen u.a. aus München und wir waren entsetzt. Wieder einmal galt die Erkenntnis: Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei!

Bei der Verabschiedung des HPR Vorsitzenden Klaus Meyer in den wohlverdienten Ruhestand erinnerten mehrere Redner an die Verdienste, die sich Koll. Klaus Meyer um die Mieterinteressen gemeinsam mit der GdED gemacht habe. Herr Gehrke, als Sprecher der letztlich erfolgreichen Bietergemeinschaft und Dutzfreund von Bundeskanzler Schröder meinte gar: „Herr Meyer und Herr Geisel hätten das Bundesverdienstkreuz verdient. Durch den von ihnen organisierten Widerstand gegen den Verkauf habe der Bund letztendlich eine Milliarde DM mehr eingenommen.“ Er hatte Recht!

Warum hielt auch die SPD so an dem Verkauf fest?

Diese Frage habe nicht nur ich mir oft gestellt! Für mich gab es zwei Gründe:

1)    Nutznießer des Verkaufs waren auch die Landeswohnungsgesellschaften von Niedersachsen und NRW. Beide damals SPD regiert. Sie erhielten schließlich Wohnungen für die Hälfte des Marktwertes und

2)    die Haushaltslage des Bundes.

Ob auch bei der SPD Spenden eine Rolle spielten konnte bis heute nicht nachgewiesen werden.

Ehrengast bei Feier 100 Jahre Deutscher Mieterbund in Dresden im Jahr 2000

Aufgrund der „exzellenten Zusammenarbeit“ mit dem Deutschen Mieterbund beim Widerstand gegen den Verkauf der Eisenbahnerwohnungen erhielt ich eine Einladung als Ehrengast zur Festveranstaltung des 100 jährigen Geburtstages des DMB in Dresden. Bundesdirektor Franz-Georg Rips und die Präsidentin Anke Fuchs würdigten meinen persönlichen Einsatz im Kampf um die Mieterrechte! Bundespräsident Johannes Rau und Ministerpräsident Kurt Biedenkopf waren als Festredner erschienen. Abends durfte ich neben Anke Fuchs am Ehrentisch auf einem Dampfschiff Platz nehmen.

Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung im Juni 2013

Bis heute hat mich das Thema des Verkaufs nicht los gelassen. So erinnere ich immer wieder, z.B. durch Leserbriefe an den Wahlbetrug und seine Folgen (s. Anlage 5) . Auch habe ich Zeitungsberichte über die desaströse heutige Wohnungsbewirtschaftung durch die Deutsche Annington immer wieder an die damals Verantwortlichen übersandt, jedoch nie eine Reaktion erhalten. CDU, SPD, Kohl, Waigel, Schröder, Lafontaine, Müntefering, Ferner, Bundesrichter, alle schweigen (hoffentlich vor Scham!!!)


Wechsel Rainer Grab/Günter Ostermann

Nach der Wahl von Norbert Hansen zum GdED Vorsitzenden sorgte man dafür, dass der ebenfalls zur Diskussion gestandene Koll. Rainer Grab eine Vorstandsaufgabe bei DB Bahnbau bekam. Sein Nachfolger wurde Günter Ostermann. Zunächst betrachten wir den Wechsel skeptisch, denn G. Ostermann hatte den Ruf gut aber ungeduldig zu sein. Sachen, die nicht rechtzeitig erledigt waren, machte er dann selbst und somit doppelt. Das bestätigte sich aber in unserer Zusammenarbeit nicht. Wir hatten eine gute und sehr erfolgreiche Zeit der Zusammenarbeit und arbeiteten Hand in Hand. Günter war und ist mir bis heute ein Vorbild eines Gewerkschafters und Mensch. Wir sind bis heute eng befreundet. Das gilt übrigens auch für Rainer Grab!

Bericht zur Beamtenversorgung

Ende der 90 er Jahre erkrankte Koll. Erwin Scharf unmittelbar vor der anstehenden Bundesseniorenkonferenz. Koll. Ostermann und Knoll baten mich darauf hin den Bericht zur Entwicklung der Beamtenversorgung zu erstellen. In kurzer Zeit legte ich dann den beiden einen Bericht vor, der ohne Änderung gedruckt wurde und für mich eine hohe Anerkennung von beiden Kollegen einbrachte,

Wechsel zum Abteilungsleiter für Beamtenpolitik und Organisation

Koll. Titus Kaiser wurde im Frühjahr 2000 vom Koll. Norbert Hansen als seine rechte Hand eingesetzt. In Folge dessen fragte mich Koll. Günter Ostermann, ob ich mir vorstellen könnte die Funktion des Abteilungsleiter für Beamtenpolitik und Organisation zu übernehmen. Ich antwortete ihm: „Unter deiner Führung kann ich mir das vorstellen!“. So übernahm ich das Amt von Titus.

Mit Koll. Andre Wichmann, Hanka Heise hatte ich ein erfahrenes und kompetentes Team in der Organisation sowie mit Kollegin Margarte Zavoral und Katja Gattinger ebensolche gute Kolleginnen in der Beamtenabteilung. Dies war auch notwendig standen doch große Herausforderungen an. Der Gewerkschaftstag in Magdeburg war vorzubereiten und Veränderungen in Besoldungs- und Versorgungspolitik waren in Bonn/Berlin in der Mache.

Wir erhielten große Zustimmung von den Beamtenpolitikern für unsere gute und meist erfolgreiche Arbeit. Auch mit den Kollegen der Abt. Beamtenpolitik beim DGB, Koll. Egbert Biermann und seinem Team hatten wir stets eine gute Zusammen gearbeitet. Ich habe sehr bedauert, dass Koll. Zavoral diese Zeit unserer engen und guten Zusammenarbeit bei ihrer Verabschiedung zum BSW unerwähnt ließ.


Begegnung mit dem launischen Bundesinnenminister Otto Schily

Im Beamtenrecht gibt es das „Beteiligungsgespräch“! Dazu muss der Bundesinnenminister die Spitzenorganisationen der Beamten (DGB und DBB) laden, wenn sich Änderungen im Dienst- und Besoldungsrecht ergeben. So saß ich als Vertreter der EVG zur Besoldungsrunde 2000 an einem langen Tisch im BMI Berlin. Auf der einen Seite Bundesinnenmister Otto Schily und sein Stab aus Staatssekretär und Referats- und Abteilungsleiter/Innen sowie auf der anderen Seite des Tisches DGB/DBB und Vertreter/Innen der jeweiligen Einzelgewerkschaften. Der Vorsitzende des Beamtenbundes, Koll. Peter Heesen,  war diesmal der Erste der vortragen durfte, dann folgte das für Beamtenpolitik zuständige DGB Vorstandsmitglied, Ingrid Sehrbrock (es wechselt jedes Mal die Reihenfolge). Otto Schily hörte sich die jeweiligen Statements ungeduldig an, dann sagte er sinngemäß: „Ich habe gerade den Bericht der Welthungerhilfe gelesen, ich weiß gar nicht was die Beamtinnen und Beamten wollen, es geht ihnen doch hervorragend.“

Ich musste tief durchatmen und sagte dann zu meinem Nachbarn, Konrad Freiberg, Vorsitzender der GdP: „Das ist doch ein unglaublicher Affront, da müssen wir doch aufstehen und gehen.“ Konny aber beschwichtigte, dass sei halt Otto Schily! Den müsse man in seiner Laune nehmen. Insgesamt ist das Beteiligungsgespräch eine Farce. Entweder man hat vorher auf Arbeitsebene Dinge regeln können oder man muss Einfluss über die Mehrheiten im Parlament nehmen, ansonsten bewegt sich kaum etwas im offiziellen Beteiligungsgespräch.

Ein anderes Mal lobte Otto Schily die Bindekraft der Gewerkschaften zum Zusammenhalt der Gesellschaft. Wir waren tief beeindruckt. Er zog den Hut vor uns.

Schließlich konnte ich ihn bei der Dienstrechtsreform davon überzeugen, dass wir für die zugewiesenen Bahnbeamten Sonderregelungen brauchten.

Aber es war immer tagesabhängig, ob es zielführend war ein Thema bei ihm anzusprechen.

Besoldungserhöhung (Berechnung Besoldungsabkopplung in DM)

Bundesinnenminister Schily wollte den Beamten im Jahr 2000 nur die Inflationsrate von 0,6 % als Erhöhung zugestehen und sie damit eindeutig vom Tarifergebnis (+2,0 bzw.2,4 %) abkoppeln. Prozentual waren das ja „nur 1,4 bzw 1,8 %!“ Da habe ich einmal ausgerechnet, was das für ein Verlust in DM und Pfenning für einen Familienvater mit Besoldungsstufe A8 bedeutete. Ein Verlust von 2.800 DM auf die Laufzeit des Tarifvertrages gerechnet kam als Ergebnis heraus. Mit diesen von der Beamtenabteilung der TRANSNET errechneten Zahlen machten wir über den DGB Druck insbesondere auf die SPD-Fraktion im Bundestag. Motto: „Wollt ihr wirklich euren treuen Wählern so ein Sonderopfer abverlangen???“ Der Protest war erfolgreich! Schily nahm seine Abkopplung zurück und wir hatten uns im DGB großen Respekt als „Newcomer“ in der Beamtenpolitik erworben.

Internationale Arbeit

Der Vorsitzende der GdED, Koll. Norbert Hansen, hatte mein internationales Engagement (Jugenddelegationen, Engagement im interkulturellen Austausch bei AFS) registriert und mich deshalb gebeten ihn in der internationalen Arbeit zu unterstützen. So wurde ich offizielles Mitglied im ITF Ausschuss Eisenbahn und begleite Norbert des Öfteren zu Sitzungen nach London. Auch war ich Teilnehmer bei ITF Kongressen in Südafrika und Brasilien sowie beim ETF Kongress auf der finnischen Insel Aaland.

 

Gewerkschaftstag (Erlebnis Mehdorn)

Die Verantwortung für einen reibungslosen und damit erfolgreichen Gewerkschaftstag zu sorgen war zweifellos die größte Herausforderung meiner hauptamtlichen Tätigkeit. Mein Glück lag in der Kollegin Hanka Heise und dem Kollegen Andre Wichmann sowie in der Rückendeckung unseres Chefs Koll. Günter Ostermann. Gemeinsam gelang uns ein Kongress der Gewerkschaftsgeschichte schrieb. Als Anerkennung erhielten wir vom Vorstand eine Boni-Zahlung!

Unvergessen die Eröffnungsveranstaltung:

Während der Rede von Bahnchef Hartmut Mehdorn krachte das Schild „offensiv“ aus der Bühnendekoration mit lautem Knall zu Boden. Mehdorn, der bis dahin eine Rede abgelesen hatte mit der er die Delegierten nicht erreichte, reagierte spontan. Er hob das auf dem Gesicht liegende Schild auf, stellte es auf und sagte: „ Sehen Sie meine Damen und Herren, es geht mir hier wie bei der Bahn, hinter meinem Rücken geschehen Dinge, die ich nicht zu verantworten habe.“ Das Publikum lachte, der Bann war gebrochen. Mehdorn hatte die Delegierten erreicht und plauderte munter drauf los. Ein erster Ärger beim Vorsitzenden war damit auch verflogen.

Zur Rolle und Politik von Norbert Hansen

 

Norbert musste die drohende Trennung von Netz und Betrieb unbedingt abwenden. Sie hätte nicht nur katastrophale Folgen für die Bahn und ihre Mitarbeiter (unsere Mitglieder) gehabt, sondern wäre auch das Ende der TRANSNET gewesen. Zur Abwendung konnte auch ein Teilbörsengang als Lösung dienen. Dieser war allerdings sowohl in der Regierungspartei SPD, als auch bei den DGB Gewerkschaften nicht mehrheitsfähig. Deshalb hatte der damalige SPD Vorsitzende, Kurt Beck, gemeinsam mit Bundeskanzler Schröder die Idee, Norbert Hansen bei einem Teilbörsengang in den DB AG Vorstand zu berufen, um damit den Kritikern in der SPD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein ehemaliger Gewerkschaftsvorsitzender als Arbeitsdirektor als Garant für die soziale Absicherung in einem teilprivatisierten Bahnkonzern, war das Ziel.

Norbert war dafür empfänglich, weil er auch noch eine neue Herausforderung suchte!

Das wäre wahrscheinlich auch nach einer internen Diskussion in den TRANSNET-Gremien gut gegangen. Aber da gab es Intriganten (wahrscheinlich aus der SPD), die das der Öffentlichkeit steckten. So platzte die Bombe.

Norbert der beliebte und geschätzte TRANSNET Vorsitzende, der über Nacht zum Judas wurde! Befeuert wurde das Ganze genüsslich von seinen Kritikern, die natürlich ganz andere Interessen hatten. Da sind die "Eisenbahner von unten" und die GDL zu nennen, die ohne wenn und aber gegen einen Börsengang waren und dabei fahrlässig auch die Trennung von Netz und Betrieb billigend in Kauf genommen hätten, sowie ver.di und IG Metall, die sich den Leichnam "TRANSNET" gerne aufgeteilt hätten!"

 

10 Punkte Eckpunktprogramm Verdi, dbb und BMI

Ich saß im Zug nach Berlin zu einer Sitzung der Bundeskommission Beamtinnen und Beamte im DGB als mein Handy klingelte. Koll. Nils Kammradt von der Abt. Öffentliche Dienste/Beamte des DGB rief an. Was er mir mitteilte ließ mich kalt erschauern. Soeben hätten in trauter Einigkeit der verdi Bundesvorsitzende, Koll. Frank Bsirske, der DBB Vorsitzende, Koll. Peter Heesen sowie Bundesinnenminister Otto Schily der Presse ein sogenanntes „10 Punkte Eckpunktprogramm“ zur Reform des öffentlichen Dienstes vorgestellt.

Der Skandal war, dass ver.di hinter dem Rücken des DGB in Geheimverhandlungen dieses Papier erstellt hat, welches z.T. volkkommen abweichende Positionen zu denen der Bundeskommission Beamtinnen und Beamte im DGB hatte.

Dieses unsolidarische hinterhältige Vorgehen von Frank Bsirkse ließen sich die übrigen betroffenen ÖD Gewerkschaften im DGB natürlich nicht gefallen. Schon am Nachmittag trat eine Runde der Vorsitzenden zusammen:

In dieser Runde ging es hoch her! Das Wort Austritt aus dem DGB fiel! Koll. Michael Sommer gelang es schließlich eine Sprachregelung zu vereinbaren, die Schlimmes verhinderte.

Das bisherige gute Verhältnis auch zum Koll. Klaus Weber von ver.di war zunächst zerstört, hat sich aber Lauf der Zeit wieder normalisiert. Das Reformgesetz mit den Eckpunkten verfiel der parlamentarischen Diskontinuität wegen der vorgezogenen Bundestagswahl. Danach war Otto Schily Geschichte. Bsirske hatte auf das falsche Pferd gesetzt, aber eine Menge internes Porzellan zerschlagen. So was macht man einfach nicht.

Wechsel als Bereichsleiter zu Lothar Krauß

Im August 2006 bat mich Koll. Nadine Hirsch zu einem Gespräch beim stellv. TRANSNET-Vorsitzenden Koll. Lothar Krauß. Lothar machte mir dann das Angebot als sein Bereichsleiter tätig zu werden, da Koll. Michael Bollmann diese Aufgabe zukünftig nicht mehr wahrnehmen könne. Ich sagte unter der Bedingung zu, dass er diese Personalentscheidung bitte zunächst mit dem Vorsitzenden, Koll. Norbert Hansen abstimmen muss. Norbert hatte mir nämlich auch andere Angebote in Aussicht gestellt. Doch er war damit einverstanden.

Dank der großartigen Unterstützung des gesamten Teams im VB Lothar Krauß fand ich mich recht bald in die neue Aufgabe ein. Die Region war ja meine Heimatregion und das Aufgabengebiet „Mitbestimmung“ auch ein altbekanntes. Dennoch ohne die tatkräftige Unterstützung von Koll. Harald Schmid und Andreas Schäfer hätte ich die Erwartungen sicher nicht erfüllt. Beide sind loyale und absolut verlässliche Kollegen. Später kam dann noch Koll. Martin Buch dazu, dem ich die gleichen Eigenschaften zuschreiben kann. Danke euch allen!

Als dann für uns alle überraschend Koll. Norbert Hansen in den Vorstand der DB AG wechselte und ihm Koll. Lothar Krauß als Vorsitzender nachfolgte war ich quasi über Nacht Bereichsleiter beim TRANSNET-Vorsitzenden.

Begegnungen mit dem Ministerpräsidenten Kurt Beck

Beim 50. Geburtstag von Dietmar Muscheid lernte ich Kurt Beck kennen. Wir tranken zusammen einige Gläser Pfälzer Wein und lernten uns kennen. Ich war dann mehrfach zu den Betriebs- und Personalrätekonferenzen in der Mainzer Phönix Halle eingeladen. Er bat mich dann als offizieller Berater der rheinlandpfälzischen Landesregierung bei einer Bundesratsinitiative zur Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes tätig zu werden. Doch dazu kam es nicht mehr. Im Januar 2013 trat er zurück. Auch mit seiner Nachfolgerin Malu Dreyer bzw. Roger Lewentz war ich in gutem Kontakt.

Betriebsrat Konzernleitung

Schon mein Vorgänger war an der Aufgabe aus dem Betriebsrat Konzernleitung der DB AG eine gewerkschaftliche Wertegemeinschaft zu bilden gescheitert. Nach mehreren Jahren, unzähligen Gesprächen und Sitzungen komme ich zu dem Ergebnis, dass dies mit den vorhandenen Mitgliedern auch unmöglich ist. Hier habe ich auch einen Teil meiner Gesundheit gelassen. Bis ich erst einmal kapiert habe, dass solche Selbstverständlichkeiten wie Solidarität und Gemeinsamkeit für einige Mitglieder des BR Schreckensworte sind. Deren Ziel war einzig: Informationen für den eigenen Karriereweg abzuschöpfen! Mit ihren Informationen aus den BR-Sitzungen haben sie dann mit entsprechend empfänglichen Arbeitgebervertretern gedealt. Widerwärtig!!!

Disput mit Redaktion Anne Will zur Beamtenbesoldung

Immer wieder wird das Thema Beamtenpension falsch in der Öffentlichkeit diskutiert. Deshalb führte ich mit der Redaktion Anne Will folgenden Disput:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihre Antwort ist für mich und meine Kolleginnen und Kollegen unbefriedigend, weil sie an den Tatsachen vorbei geht!

Selbstverständlich kann man über unterschiedliche Positionen streiten, aber nicht über Tatsachen.

Ich hatte Ihnen als Redaktion (für den Inhalt der Sendung verantwortlich) den nochmals beigefügten Zwischenruf im Vorfeld der Sendung zugesandt (sogar zweimal – am Ursprungstermin und zur tatsächlichen Sendung).

Und die Lüge“ das Beamte keine eigenen Pensionsbeiträge zahlen“ ergab sich nicht aus der Diskussion Ihrer Gäste, sondern wurde als Beitrag eingespielt!

Selbst wenn man sich an die Regelung aus den 50èr Jahren nicht mehr erinnern will, obwohl sie in der Gesetzesbegründung zum Bundesbesoldungsgesetz dokumentiert ist, hätte eine sorgfältige Recherche der Redaktion auf das in Anlage ebenfalls beigefügte „Gesetz über eine Versorgungsrücklage des Bundes“ stoßen müssen. Es ist am 01.01.1999 in Kraft getreten und reduziert die Besoldungserhöhungen der Bundesbeamten um eigene Beiträge zu ihrer Versorgung. Gleiche Regelungen gibt es für Landesbeamten.

Damit bleibt mein Urteil richtig: Anne Will Sendungen sind mit großer Vorsicht anzuschauen, weil sie nicht die Wahrheit wider geben! Besonders schlimm ist es, wenn man nicht aus Fahrlässigkeit sondern trotz besseren Wissens (meine Hinweise waren vor der Sendung bekannt) so wie sie handelt.

Dies werde ich auch breit publizieren!

Mit freundlichen Grüßen

Gottfried Geisel

Kronprinzenstr. 26

 

65185 Wiesbaden

 

Tel. 0611-379562 oder 0172-6575419

 

Diese Klarstellung hat mir zahlreiche Reaktionen unser Mitglieder eingebracht, die sich mit dieser meiner Meinungsäußerung als Beamte gut vertreten fühlten. Andere Gewerkschaften, wie Gewerkschaft der Polizei oder ver.di streuten den Zwischenruf (s. Anlage) an ihre Funktionäre und Mitglieder, die GDP stellte ihn auch ins Internet!

Das systembedingte Aus:

Im Oktober 2008 entschied sich Koll. Lothar Krauß aus internen Gründen nicht mehr als Vorsitzender auf dem kurz bevor stehenden Gewerkschaftstag zu kandieren. Insbesondere die noch vom Wechsel Norbert Hansens schockierten Nordbezirke signalisierten in ihren Delegiertenvorbesprechungen Lothar Krauß nicht zu wählen, obwohl sie ihn überhaupt nicht persönlich kannten. Sie nahmen es ihm übel, dass er im Präsidium des AR der DB AG Prämien für den erfolgreichen Börsengang an die einzelnen Vorstandsmitglieder zugestimmt habe. Eigentlich eine Formalie wurde so zum Politikum.

Die Entscheidung von Lothar Krauß hatte sicher auch damit zu tun, dass er schon beim Gewerkschaftstag 2000 in Magdeburg beinahe einer von langer Hand geplanten Intrige quasi in letzter Minute entgangen ist. Auch für die Aufdeckung war ich indirekt verantwortlich. Ich hatte als für die Abwicklung des Gewerkschaftstages zuständiger Abteilungsleiter eingeführt, dass am Ende eines jeden Konferenztages die Bezirksleiter (Delegationsleiter) sich kurz besprechen. Dabei wurde die geplante Abwahl bekannt und schließlich vereitelt.

Der HV nominierte Koll. Alexander Kirchner zu seinem Nachfolger, was der Gewerkschaftstag dann auch bestätigte. Ich machte mir zunächst über die Zukunft keine Gedanken, hatte ich doch meine Arbeit zur Zufriedenheit aller erledigt.

Doch das war ein Trugschluss. Ich erlebte dann eine berufliche Entwicklung, die ichnie und nimmer erwartet hatte. Ein klassischer Burnout war die zwangsläufige Folge. Ich will an dieser Stelle darauf nicht näher eingehen! Wer dazu mehr wissen will kann das mit mir gerne in einem Gespräch erfahren.

Fazit: Mein Weg vom Jugendleiter bis zum Bereichsleiter beim Vorsitzenden der GdED /TRANSNET war voller Leidenschaft und Engagement für die gemeinsame Sache. Gemeinsam haben wir vielen Kolleginnen und Kollegen helfen können; aber auch manches nicht erreicht. Nie hatte ich die nächste Stufe der Karriereleiter im Blick; ich wurde stets in die nächste Aufgabe gerufen. Dann wurde ich systembedingt ausgesondert. Dies hat meine Seele tief und nachhaltig verletzt und mir gesundheitlich geschadet. Ein erster Zusammenbruch im Jahr 2009 mit vier Wochen Krankenhausaufenthalt war die Folge. Ab Herbst 2012 konnte ich dann bis zu meiner Frühpensionierung ab 01.01.2014 nicht mehr arbeiten.

Dank:

Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen, die mich bei meiner 36 jährigen Gewerkschaftsarbeit jeweils nach ihren Möglichkeiten in unserem gemeinsamen Ziel:

„durch solidarisches gemeinsames Handeln Arbeits- und Lebensbedingungen für unsere Mitglieder zu schaffen, die ihnen ein sorgenfreies Leben ermöglichen.“

unterstützt haben.


 

Dabei will und muss ich einige Kolleginnen und Kollegen namentlich in alphabetischer Reihenfolge erwähnen, denen mein besonderer Dank gilt:


 

Doreen

Adam

 

Robert

Bäumler

 

Manfred

Bernd

 

Stephan

Bernhardt

 

Egbert

Biermann

 

Dorothea

Böhme

 

Michael

Bollmann

 

Rolf

Bröll

 

Erich

Bruns

 

Martin

Buch

 

Helga

Chotechowski

 

Wolfgang

Däubler

 

Helmut

Diener

 

Eckhard

Dziewas

 

Gerhard

Emmel

 

Wolfgang

Erler

 

Hannelore

Ferl

 

Matthias

Freitag

 

Hans

Gass

 

Wilfried

Geitz

 

Rainer

Grab

 

Ernst

Haar

 

Dieter

Harms

 

Hans

Hartmann

 

Norbert

Hansen

 

Ralf-Peter

Hayen

 

Petra

Heinze

 

Hanka

Heise

 

Gerhard

Helmlinger

 

Rudi

Hepf

 

Frank

Hercher

 

Fanz-Josef

Herkert

 

Nadine

Hirsch

 

Ingrid

Hitzel

 

Rolf

Hofmann

 

Anton

Hofmann

 

Marika

Höhn

 

Georg

Hörter

 

Lisa

Hörter

 

Julia

Jansen

 

Josef

Janz

 

Titus

Kaiser

 

Helmut

Karbach

 

Helmut

Kern

 

Günter

Knoll

 

Heinz

Knöpp

 

Peter

König

 

Andreas

Körner

 

Lothar

Krauß

 

Rita

Krauß

 

Helmut

Kreusel

 

Otto

Kriener

 

Hartmut

Kusche

 

Dieter

Langendorf

 

Karlheinz

Lotze

 

Karola

Mann

 

Erhard

Mattes

 

Irma

Mattner

 

Klaus

Meyer

 

Hans

Möllmann

 

Werner

Mößinger

 

Christina

Mondelaers

 

Andreas

Müller

 

Juppi

Müller

 

Ingo

Naumburger

 

Elsbeth

Niefert

 

Katrin

Nimmrich

 

Ulrich

Noelkenbockhoff

 

Günter

Ostermann

 

Maika

Pannier

 

Hans

Peter

 

Helmut

Peters

 

Rainer

Podhorny

 

Hartmut

Polzer

Werner

Precht

 

Edith

Ramerth

 

Raimund

Reinhart

 

Friedel

Rewinkel

 

Franz Georg

Rips

 

Erwin

Rumpel

 

Siegfried Sciescinski

Andreas

Schäfer

 

Wolfgang

Scherff

 

Gerhard

Schimm

 

Johann

Schmalz

 

Harald

Schmid

 

Bernhard

Schombera

 

Katja

Schorr

 

Heinz

Schuck

 

Rainer

Schuster

 

Bodo

Schwenn

 

Beate

Seiffert

 

Reinhard

Sauer

 

Barbara

Solzer

 

Günter

Staaden

 

Michael

Tepel

 

Leo

Thiel

 

Jürgen

Thurau

 

Uwe

Tillmann

 

Peter

Tröge

 

Martina

Waldenburger

 

Norbert

Weber

 

Siegfried

Weiß

 

Helmut

Wende

 

Andre

Wichmann

 

Adi

Wick

 

Fritz

Wittmann

 

Norbert

Wolf

 

Margarete

Zavoral


Sorry an alle, die ich möglicherweise vergessen habe!


Ich wünsche der Gewerkschaftsbewegung, der ich weiterhin von Herzen verbunden bleibe, viel Erfolg! Von den Mitgliedern der Vorstände erhoffe ich mir mehr Vorbildfunktion und Führungsverantwortung. Auch Beschäftigte der Gewerkschaften sind Menschen mit Herz und Gefühl und keine Maschinen, oder Möbelstücke, die man nach Lust und Laune aussondern kann.

An die Gewerkschaftsjugend appelliere ich:

Seid ungeduldig, kritisch aber konstruktiv und folgt im Zweifel eher dem Herzen als dem Verstand!


 

Gottfried Geisel                                                                                          Kronprinzenstr. 26                                                                                                                                                                                                          65185 Wiesbaden, 09.01.2016

Tel. : 0611-379562                                                                                                gottfried.geisel@t-online.de

                                                                                                                      www.gottfried-geisel.de

 

 

Meine persönliche AFS Geschichte:

 

Der Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen!

 

Angeregt durch meinen Kollegen Rolf Hofmann (ehem. Stellv. Vorsitzender GdED) und Freundin Ilka Trenkler habe ich nachfolgend meine Erinnerungen mit AFS dargelegt. Ich freue mich über interessierte Leserinnen und Leser und ihr feedback. Das Copyright liegt bei mir. Abdrucke oder Teilabdrucke sind nach Rücksprache mit mir grundsätzlich möglich.

Der Text ist nur ein Konzentrat aus meinen Erinnerungen und erhebt bei weitem nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Wegbegleiter werden evtl. das ein oder andere vermissen. Es liegt in der Natur der Sache! Für konstruktive Hinweise bin ich deshalb immer dankbar!

Entschuldigen will ich mich vorab auch für evtl. Rechtschreib- und/oder Grammatikfehler.

 

 

Inhalt:

 

1)    AFS Historie: AFS - Vom Sanitätsdienst zur größten Jugendaustauschorganisation weltweit

2)    Zwei Wochen in Columbus USA 1985

3)    Drei Wochen in Oslo Norwegen 1986

4)    Begleiter einer AFS Gruppe nach Washington USA 1996

5)    50 Anniversary Crossing auf der QE 2 1997

6)    50 Jahre AFS Deutschland – Feier in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Höchst

7)    Briefing abreisender AFS Gruppen in der JH Wiesbaden 1996 bis 2000

8)    60 Jahre AFS Deutschland – Feier im Admiralspalst Berlin

9)    Mitarbeit im AFS Komitee Mainz/Wiesbaden

10) Fazit

 


Zunächst zur Historie des AFS (von der Internetseite: https://www.afs.de/geschichte.html) :

AFS - Vom Sanitätsdienst zur größten Jugendaustauschorganisation weltweit

Von 1948 bis 2010 haben rund 28.000 deutsche Schüler am AFS-Entsendeprogramm teilgenommen. Rund 18.000 internationale Gastschüler wurden in Deutschland aufgenommen. Anm.: Herz des Ganzen ist grundsätzlich eine Gastfamilie!

Und so fing alles an:

1914

Unter dem Namen „American Field Service“ (AFS) retten freiwillige Sanitätswagenfahrer mit Ford-Kastenwagen Verwundete von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Auch im Zweiten Weltkrieg ist AFS mit Hunderten von freiwilligen Fahrern weltweit aktiv.

http://www.afsfoundation.org/images/head_10_ourh.jpg

http://www.afsfoundation.org/news/images/afspic101.jpg                   http://www.afsfoundation.org/news/images/afspic102.jpg

1946

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kommen AFS-Sanitätswagenfahrer in den USA zusammen, um über die Zukunft des „American Field Service“ zu entscheiden: Die Veteranen beschließen, Jugendaustauschprogramme ins Leben zu rufen mit der Vision, das Verständnis zwischen den Kulturen zu fördern und damit den Weltfrieden zu sichern.

1948

Die ersten beiden deutschen Schüler fahren mit AFS in die USA.


1952

Die ersten 54 amerikanischen Schüler verbringen den Sommer in deutschen Gastfamilien. Das erste AFS-Büro außerhalb der USA wird in Deutschland eingerichtet.

1971

Auf dem ersten AFS-Weltkongress wird das bisher bilaterale Austauschprogramm mit den USA zu einem multinationalen Austausch ausgeweitet. Es stehen zu diesem Zeitpunkt 17 Länder im Rahmen der AFS-Austauschprogramme zur Auswahl.

1981

AFS Deutschland bietet erstmalig auch Freiwilligendienste im Ausland für über 18-Jährige an.

1992

Im Rahmen der internationalen Dezentralisierung wird AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. Träger für alle Austauschprogramme von und nach Deutschland und damit selbstständige Partnerorganisation im AFS-Verbundsystem.

2005

Um die Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Mitarbeitern und den örtlichen Komitees zu stärken, werden vier Regionalbüros in Berlin, Stuttgart, Wiesbaden und Hamburg eingerichtet. Wichtigste Aufgabe der Regionalbüros ist die Unterstützung der ehrenamtlichen Mitarbeiter bei der Betreuung von Gastfamilien und Gastschülern in Deutschland.

2008

AFS Deutschland feiert sein 60-jähriges Jubiläum. Über 1.200 deutsche Schüler verbringen ihr Austauschjahr mit AFS in einem von rund 50 Ländern, über 700 ausländische Gastschüler sind für ein Jahr Gast in Deutschland, über 150 Freiwillige arbeiten in sozialen oder ökologischen Projekten weltweit.

2009

Als Entsendeorganisation für das weltwärts-Programm der Bundesregierung kann AFS seine Teilnehmerzahlen in den Freiwilligendienstprogrammen verdoppeln.

2010

Das Angebot an Kurzzeitaustauschprogrammen für Schüler wird auf weitere Bundesländer ausgeweitet.

Nun zu meiner persönlichen AFS Geschichte: Columbus USA 1985

Im Jahr 1985 war ich Vorsitzender der Bezirksjugendvertretung bei der Bundesbahndirektion und Mitglied der Bundesjugendleitung der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED heute EVG). Anfang Juli 1985 war ich zu Gesprächen in der Abteilung Jugend des Hauptvorstandes der GdED als dort die Information eintraf: AFS Deutschland sucht 20 junge Menschen, die aktiv in der Jugendarbeit tätig sind für einen 14 tägigen Austausch in die USA (interkulturelles Lernen mit Unterbringung in dortigen Gastfamilien). Das war etwas für mich! Ich bewarb mich sofort und wurde auch genommen.

(Hintergrund war, dass AFS Deutschland erstmals ergänzend zu den Jahresprogrammen für Schüler und Studenten auch ein Kurzprogramm (2 Wochen) für junge Arbeitnehmer/Innen entwickelt hatte. Da jedoch die Rückmeldung für genügend Gastfamilien aus den USA sehr spät in der AFS Zentrale in Hamburg eintraf, musste sehr kurzfristig die Ausschreibung erfolgen. Dabei erinnerte man sich an ehemalige Teilnehmer, die heute in wichtigen Funktionen waren und wo Jugendarbeit stattfand. So wurde auch der stellvertretende Vorsitzende der GdED und AFS Austauschstudent Rolf Hofmann um Mithilfe gebeten.)

Kosten: Wenn ich es recht erinnere betrug der Eigenanteil 750,- DM. Allein das Flugticket, welches wir in Händen hielten kostete 1800,- DM (damals). Die Bundesregierung finanzierte das Programm mit. Der Dollarkurs lag bei ca. 2,80 DM.

Auch ein weiterer Kollege und damaliger Freund, Alfred Hupfauer, war mit dabei als wir uns im September 2015 einen Tag vor dem Abflug in der Jugendherberge Frankfurt trafen.

Voller Erwartung lauschten wir den Informationen des AFS Offiziellen. Ich hatte Angst, dass mein Schulenglisch zu lange her war und auch nicht ausreichend für die Verständigung war. Eine unbegründete Angst, wie sich später herausstellen sollte. Verständigung mit Händen und Füßen und notfalls mit einem Wörterbuch war die Lösung – nur keine Scheu. Für den normalen Amerikaner, der sein Land und damit seinen mütterlichen Sprachraum kaum verlässt, sind wir mit ein paar Worten gesprochenem englisch sowieso schon die Größten. Das verhält sich in Norwegen ganz anders, dort spricht auch Oma und Opa eine zweite Sprache (englisch oder deutsch) perfekt. Es kommt halt immer auf die Notwendigkeit an.

Gespannt war man natürlich auch auf die Gastfamilien. Es war die Zeit vor dem Internet! Man hatte zwar gegenseitig Beschreibungen über sich und die allgemeine Lebenssituation abgeben, aber ob das reichte? Nein natürlich nicht! So hatte meine Gastfamilie eine Information erhalten, dass sie unbedingt genügend Bier einkaufen sollte und sich nicht wundern sollte, dass Deutsche (im allgemeinen) nicht täglich duschen. Sie wunderten sich später, dass ich kaum Bier trank aber täglich duschte! Interkulturelles Lernen halt!

Die Nacht in der Jugendherberge habe ich vor Aufregung kaum geschlafen.

Mein erster Langstreckenflug verging voller Erwartung sprichwörtlich „wie im Flug“. In Chicago angekommen nahmen uns unsere Gasteltern samt Gastgeschwister in Empfang. Meine Gasteltern hießen Sarah und Virgil Bowling, die Tochter ????. Eine Arbeiterfamilie aus Columbus Indiana. Virgil arbeitete bei Cummins Engines. Ein Unternehmen für schwere Dieselmotoren, das weltweit bekannt ist. Sarah war Hausfrau und sozial aktiv in Columbus. Die Tochter musste für mich ihr Zimmer räumen und war an der Schülerin an der High School, wo wir auch mal im Hallenbad zum Schwimmen waren. Irgendwie fanden wir nicht richtig zueinander. Ob es daran lag, dass ich für knapp zwei Wochen ihr Zimmer bezog?

Columbus ist eine Stadt im Zentrum des US-Bundesstaats Indiana und liegt etwa 60 km südlich der Staatshauptstadt Indianapolis. Sie gehört zum Bartholomew County und ist dessen County Seat. Die Stadt hat eine Fläche von 68,3 km² und 39.059 Einwohner. Sie ist bekannt für moderne Architektur. Columbus ist der Hauptsitz von Cummins, dem Hauptarbeitgeber der Region.

North Christian Church, designed by Eero Saarinen, one of the city's modern architectural landmarks   

North Christian Church, designed by Eero Saarinen, one of the city's modern buildings.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9c/ColumbusCityHall.jpg/220px-ColumbusCityHall.jpg

Columbus City Hall

Nach gut zwei Stunden über den Highway erreichten wir das kleine Einfamilienhaus meiner Gastfamilie. Noch ein kurzer Plausch, dann ab ins Bett und geschlafen wie ein Murmeltier.

Indiana hat den Nick-Name „The Hosier-State“! Keiner weiß so ganz genau wo dieser Spitzname herkommt. Es gibt aber zwei Mutmaßungen.

Variante 1:    Im amerikanischen Bürgerkrieg gab es Söldner aus „Hessen“ Deutschland. Abgewandelt: „Hosier“.

Variante 2:    Indiana war Durchgangsland für Reisende von Ost nach West bzw. auch umgekehrt. Man klopfte an Siedlungstüren in Indiana und bekam von drinnen die Frage gestellt: „Who ist there?“ oder verkürzt und abgewandelt: „Hosier“! Diese Variante ist für mich der Favorit.

 

AFS_Gastzimmer_Columbus_1985

Unser Programm verlief vergleichbar einer Arbeitswoche. Treffpunkt um 9:00 Uhr für die gesamte Gruppe im Büro der Partnerorganisation American Center for International Leadership.  Kaffee (oder wie das hellbraune Wasser auch immer bezeichnet wurde) und Donnuts/Bagels, Obst und dann Abfahrt mit VAN`s zum Besichtigungsprogramm wie z.B. Stadtverwaltung, Schulen. Gegen 16:00 Uhr zurück am Treffpunkt und Abholung durch die Gastfamilien. Ggf. abends oder am Wochenende ein gemeinsames Barbecue.

AFS_Gruppe_Columbus_1985

Wir besichtigten u.a. die Bloomington University, Indianapolis, die Stadtverwaltung und Polizei von Columbus, Cummins Engines, den größten Arbeitgeber in Columbus sowie die Redaktion der örtlichen Zeitung The Republic.

Am Wochenende machten wir einen Ausflug zu Freunden der Familie (z.B. Steve, Vera Grubbs and their kids) um den Gast aus Deutschland zu präsentieren bzw. umgekehrt!

Meine Gastmutter Sarah nahm mich mit zu verschiedenen Aktivitäten, ins Gericht, zur Bezahlung der Gasrechnung, ins Hallenbad, zu einer Diskussionsveranstaltung wegen rassischster Übergriffe an einer Schule.

Andere Teilnehmer hatten lediglich einen gefüllten Kühlschrank, Mikrowelle TV und Pool zur Abendgestaltung. Da hatte ich mehr Glück. Mein Gastvater Virgil Bowling war ein sozialer, aber sehr kritischer Zeitgenosse. Er nahm mich abends ins „Kreuzverhör“ und wollte wissen, was sie uns tagsüber so alles erzählt hatten. Er stimmte zu oder korrigierte es durch seine Auffassungen. Das war mein Glück, denn so lernte ich verschiedene Sichtweisen kennen.

AFS_Gastfamilie_Columbus_1985

Nur ein gutes Beispiel für interkulturelles Lernen „Pizza auf Amerikanisch“:

Ein Gastvater hatte Alfred und mich zu einem Baseballmatch eingeladen. Das Riverfront Stadion war ein Baseball- und Footballstadion am Ohio River in Cincinnati, Ohio in den USA. Zum ersten Mal erlebte ich dort eine La-Ola Welle der Zuschauer. Überhaupt war im Stadion eine sehr friedliche familiäre Atmosphäre, Begeisterung aber keine Aggression. Überhaupt kein Vergleich zu deutschen Fußballstadien.

Auf der Rückfahrt fragte der Gastvater, ob wir Hunger hätten? Alle bejahten das, also bog er ein zu Pizza Hut (damals in Europa noch nicht bekannt). Ich traute meinen Ohren nicht, als er für 5 Personen nur eine Pizza bestellte. Doch meine Ängste waren nicht begründet, es kam ein ganzes „Wagenrad“ als Pizza, welches wir alle zusammen nur zur Hälfte verspeisten, der Rest ging als Doggy Bag mit nach Hause.

In der örtlichen Zeitung: „The Republic“ wurde unser Aufenthalt in Columbus journalistisch begleitet. Überhaupt war der Fokus der Zeitung wie auch der örtlichen Radiostation auf Columbus und 100 miles Umkreis gerichtet. Internationale Politik, wenn überhaupt nur auf der letzten Seite in zwei Zeilen. So berichtet die Zeitung u.a. am 24. September 1984 über das am Abend vorher stattgefundene Barbecue bei Annette Barnes unserer ständigen Begleiterin in Columbus.

USA_AFS_1985_Bild_2_

Die Bildunterschrift im Foto oben enthält eine Namensverwechslung, abgebildet bin ich und nicht Gottfried Beer, der zwar auch zur Gruppe gehörte und später 10 Jahre lang Präsident von AFS Deutschland war.

 

USA_AFS_1985

 

 

USA_AFS_1985_Bild_4_

USA_AFS_1985_Bild_5_

 

Nach fast zwei erlebnisreichen Wochen in Columbus Indiana reisten wir aus organisatorischen Gründen für ein einziges Wochenende in eine weitere Gastfamilie nach Chicago.

 

AFS_Gastfamilie_Chicago_1985

 

Das ist ungewöhnlich. Trotzdem war ich froh noch eine weitere Gastfamilie kennen zu lernen. Diese hatte eine Tochter Namens Yolanda. Yolanda ging für soziale Dienste später freiwillig nach Sierra Leone an die Elfenbeinküste Afrikas. Ihre handgeschriebenen Berichte sandte sie nach Hause. Dort wurden sie abgetippt (es war die Zeit vor dem Internet!), kopiert und an die Freunde der Familie versandt, auch an mich. So erfuhr ich vieles über ihre vorbildliche selbstlose Arbeit von ihr in Afrika.

Aus meinem Aufenthalt in unserem Jugendcamp Eze-sur mer (Link: http://www.eze-sur-mer.de/index_html?-C=) sandte ich Yolanda eine Postkarte nach Sierra Leone. Das stand dann einige Monate später in ihrem Bericht nach Hause. Die Globalisierung seiner Zeit!

Abflug vom größten Flughafen der Welt in Chicago O`Hare nach Hause! Das Ende einer außergewöhnlich schönen eindrucksvollen Reise mit AFS in die USA!


Mit AFS Drei Wochen in Oslo Norwegen 1986

Kosten: 250,- DM Eigenanteil, Die Bundesregierung finanzierte auch hier das Programm mit.

Nach der positiven Erfahrung in den USA bewarb ich mich für einen dreiwöchigen Aufenthalt in einer Gastfamilie in Norwegen. Das Thema lautete: „Computerisierung in Norwegen.“ Die kleine Gruppe bestand aus: einem Belgier, einem Franzosen, einer Nordirin und zwei Deutschen. Die Namen sind mir nicht mehr präsent.

Meine Gastfamilie Torgeir und Solveig Ovrebo lebten in dem kleinen Vorort von Oslo, Kolboton. Deren Kinder waren gerade selbst in einem Austauschprogramm. Sie waren, wurde mir berichtet, mit der Popgruppe „AHA“ befreundet.

Torgeir war Unternehmensberater und Vorsitzender des Lions-Club von Oslo, was er aber nicht in den Vordergrund spielte. Überhaupt waren die Torgeirs eine sehr angenehme gastfreundliche Familie, wo ich mich sehr wohlgefühlt habe.

Kolbotn

Byen og fjorden

Oslo bzw. Norwegen war in vielerlei Hinsicht ein Kontrastprogramm zu den USA. Norwegen ist von seiner Landschaft und seinen Menschen ein Traumland. Es dauert zwar wesentlich länger bis ein Norweger sich einem Fremden öffnet, aber dann ist die Freundschaft von Dauer. Es gibt einen schönen Satz über die Norweger: „Während Menschen in anderen Ländern sich zum Essen und Trinken gesellig in der Eckkneipe treffen, zieht es der Norweger vor, sein mitgebrachtes Butterbrot in seiner einsamen Hütte am Bergsee zu verzehren.“

Ja, fast jeder Norweger hat seine Hütte. Sie können einfache Bretterverschläge oder kleine Paläste sein, aber sie alle haben ein Qualitätsmerkmal: „die nächste Hütte muss kilometerweit weg sein.“ Bei nur vier Millionen Einwohnern auf einer sehr großen Landfläche  gelingt das auch. Von Oslo zum Nordkap ist es genauso weit wie von Oslo nach Rom. Ich habe später eine Reise mit der QE2 zum Nordkap gemacht und dabei u.a. den Geirangerfjord kennen gelernt. Ein einmalig schönes Naturerlebnis.

Dann die Sprache: Jeder Norweger spricht mindestens als Zweitsprache Englisch oder Deutsch. Das erfordert schon das Fernsehen. Die Filme im Fernsehen sind i.d.R. nicht synchronisiert sondern werden in Originalsprache mit Untertiteln ausgestrahlt. Meine Gasteltern bedauerten, dass ich mit Ihnen i.d.R. englisch und nicht deutsch gesprochen habe, sagten sie mir am Ende meines Aufenthaltes. Sie hatten gehofft mit dem deutschen Gast ihre deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern.

Das Programm war genauso organisiert wie in den USA. Man traf sich Mo-Fr in der Gruppe gegen 9:00 Uhr im AFS Büro bei Kaffee oder Tee. Dann ging es zu den Besichtigungen. Firmen, Fernsehen, Kommunalverwaltung Museen, usw. immer im Fokus: „Computerisierung“.

AFS Norway organisierte eine Willkommensparty.

An einem Wochenende fuhr ich in der Nacht mit der „Bergenbahn“ nach Bergen. Eine sehr schöne Landschaftsreise, weshalb ich sie auf der Rückfahrt tagsüber genoss. Eine Übernachtung in einer Pension in Bergen war deshalb notwendig. So hatte ich einen ganzen Tag Zeit mir Bergen mit seinem eindrucksvollen Fischmarkt und ebensolchen Altstadt in Ruhe anzuschauen.

Bergen_by_night

Als eines der Hauptsitze der Hanse war Bergen mehrere Jahrhunderte lang Zentrum des florierenden Handels zwischen Norwegen und dem Rest der Welt. Die alte Hafenfront Bryggen ist das prägnanteste Überbleibsel aus dieser Zeit. Heute findet man dort zahlreiche Restaurants, Gaststätten, Läden mit Kunsthandwerk und historische Museen.

Mit der Flobahnen fährt man hinauf auf einen der grandiosen Bergaussichtspunkte und genießt die Aussicht auf Bergen, dem „Tor zu den Fjorden“

CH Innovation Norway

Obwohl der Alkohol in Norwegen sehr teuer ist (Bier ca. 8,- DM) habe ich an einem Samstagabend nirgends auf der Welt so viele angetrunkene Jugendliche gesehen wie in Oslos Innenstadt.


10 Jahre Funkstille

Bedingt durch beruflich anstrengende Zeiten verlor ich etwa 10 Jahre den Kontakt zu AFS. Erst die Ankündigung einer Anniversary Crossing mit der QE 2 1997 ließ ich die aktive Mitgliedschaft aufleben.

 

Begleiter einer AFS Gruppe nach Washington USA 1996

Ich war nur stiller Beitragszahler, als mich die Anfrage aus Hamburg erreichte eine Gruppe junger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Young Workers Programm)  nach Washington zu begleiten. Die Gruppe müsste aus organisatorischen Gründen ausnahmsweise in einem Bed- and Breakfast Hotel im Stadtteil Georgetown untergebracht werden und benötige deshalb einen Betreuer. Gerne sagte ich zu.

Frau Francine Blume begleitete uns in Washington. Francine hatte ein sehr gutes Netzwerk, so dass wir zahlreiche spannende und unvergessliche Erlebnisse hatten. Auf einem Empfang des südamerikanischen Wirtschaftsverbandes kamen wir in eine spannende politische Diskussion mit Vertretern der kanadischen Botschaft. Plötzlich fragte einer der Botschaftsangehörigen was wir Donnerstagabend geplant hätten. So kamen wir zu einer spontanen Einladung zu einem Abendessen in die architektonisch preisgekrönte kanadische Botschaft in unmittelbarer Nähe zum Capitol. Da der Botschafter nicht anwesend war konnten wir von seinem Office den Blick zum Capitol genießen.

Wir waren u.a. im Weißen Haus und beim FBI. Beim FBI hatten wir eine junge Texanerin, die ein sehr schlecht verständliches amerikanisch sprach. Auf meine Frage, ob Sie bitte etwas langsamer und deutlicher sprechen könne, antwortete Sie unverschämt: „It´s all written down!“ in Deutsch: „Sie können es ja nachlesen!“.  Ein anderer teilnehmender Amerikaner entschuldigte sich bei uns für das Verhalten seiner Landsmännin und beteuerte, dass er auch nur wenig verstanden habe.

Unvergessen auch ein Abendessen in „Pepitos Little Italien Restaurant“ in Georgetown. Zu einem Abendessen gaben Tenöre und Sopranistinnen italienische Opernarien zwischen den einzelnen Gängen. Einfach nur traumhaft!!!

50 Anniversary Crossing mit der QE 2 1997

Der Geburtstag von 50 Jahre AFS International wurde mit einem Welttreffen auf See gefeiert. Da ich schon immer mal eine Kreuzfahrt machen wollte, war die Anmeldung reine Formsache für mich. 1200 Teilnehmer aus 50 Ländern machten so eine Atlantiküberquerung mit der legendären Queen Elizabeth 2 (QE2, schnellstes Schiff auf dieser Route, Träger des legendären blauen Bandes) von Southhampton nach New York. Ein Vorprogramm fand in London statt. In New York gab es einen Riesenempfang mit zahlreichen Botschaftern an Pier 51 und anschließend eine Willkommensparty auf dem Rockefeller Plaza mitten in Manhattan.

Die Teilnahme kostete die Hälfte einer normalen Kreuzfahrt mit der QE2. Ich habe 2500,- DM in Erinnerung.

Es gab keine Tischordnung mit festen Sitzplätzen, damit sich neue Bekanntschaften finden konnten und auch keine so strikte Kleiderordnung. Mit an Bord waren z.B. der Außenminister Schwedens, Spiegelreporter, Reporterlegende „Peter von Zahn Stimme aus der neuen Welt“ usw.

Ich konnte einige aus meiner Gruppe „Washington“ zur Mitfahrt bewegen.

Es gab eine tägliche Bordzeitung, in der auch ein Interview mit mir abgedruckt wurde. Koll. Rolf Hofmann hatte es initiiert. Thema war das „Young Workers Programm“ welches bis dahin noch nicht in allen Mitgliedsverbänden angeboten wurde.

Ich war, wie zuvor berichtet, mit meinem Namensvetter Gottfried Beer 1985 in Columbus Indiana USA. Gottfried Beer wurde anschließend Präsident von AFS Deutschland. Da ich im Laufe der Überfahrt öfters bei ihm saß lernte ich so auch fast den gesamten AFS Vorstand kennen. Darunter auch Jan Pörksen aus Hamburg, damals tätig für Ortwin Runde, erster Bürgermeister von Hamburg. 2016 ist Jan Pörksen Staatsrat in Hamburg. Wir stehen wieder in Kontakt.

Es gab darüber hinaus zahlreiche sehr interessante Begegnungen und ein spannendes Unterhaltungsprogramm an Bord. Die Überfahrt in nur fünf Tagen (normal sind sechs Tage) war so viel zu schnell vorbei.

Unvergessen jedoch die Einfahrt vorbei an der Freiheitsstatue nach Pier 51 in New York. Feuerwehrschiffe mit bunten Wasserfontänen begleiteten uns. Zahlreiche Botschafter gaben uns die Ehre.

In New York bekamen wir den Tipp in der beginnenden Abenddämmerung einen Hubschrauber Rundflug über Manhattan zu machen. Alexander Wiepen und ich waren die einzigen Passagiere. Der Pilot flog daher, nach Rückfrage bei uns, einige Extra-Loopings über die schon beleuchtete Metropole. 

50 Jahre AFS Deutschland – Feier in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Höchst

1998 fand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Roman Herzog das nationale Geburtstagsfest von AFS Deutschland in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Höchst statt. Alfred Biolek (auch AFS Austausch Student 1951) moderierte das Abendprogramm. Eine eigens gegründete Band sorgte für Stimmung. Annika Kulisch als frische Returnee (AFS Bezeichnung für Rückkehrer) aus Thailand hielt eine wunderbare Rede über ihr Austauschjahr (diese sende ich bei Nachfrage gerne separat zu).

Jan Pörksen hatte mich im Vorfeld angefragt, ob ich mich für ein Sponsoring der Deutschen Bahn AG einsetzen könnte. Dies tat ich umgehend und erfolgreich. Ich durfte verkünden, dass alle mit der Bahn anreisenden Teilnehmer nur ein Ticket einfache Fahrt kaufen sollten. Auf der Jubiläumsfeier durfte ich diese Tickets dann mit dem Satz stempeln: „Ticket ist auch für die Rückfahrt gültig“! Ein 50% Sponsoring auf die Ticketpreise hatte ich so umgesetzt. Zur Hilfe stand mir Koll. Matthias Freitag, dessen Sohn Felix später in den Austausch nach USA ging.

Dieses Sponsoring wurde durch AFS rechtzeitig publiziert. Dankesbekundungen zum Teil sehr emotional folgten. Viele Komitees berichteten, dass sie nur durch dieses Sponsoring durch die DB AG überhaupt an der Feier teilnehmen konnten.

Ich war und bin stolz und glücklich, dass ich so meinem AFS mal etwas zurückgeben konnte.

Es war dann eine sehr bunte Feier, die mit der Rede des amtierenden Bundespräsidenten, Roman Herzog, seinen Höhepunkt hatte. Zusammen mit der erwähnten Rede von Annika Kulisch waren sie für mich das „Dreamteam“ des Abends.

Briefing abreisender AFS Gruppen in der JH Wiesbaden 1996 bis 2000

In der Zeit von 1996 bis 2000 habe ich als Repräsentant von AFS Deutschland in der Jugendherberge Wiesbaden die Reisegruppen, die zu einem Kurzaufenthalt (zwei Wochen) in die USA flogen, auf Ihren Aufenthalt vorbereitet und den Transfer zum Frankfurter Flughafen organisiert.

60 Jahre AFS Deutschland – Feier im Admiralspalst Berlin

Auch an der 60 Jahr Feier habe ich gemeinsam u.a. mit Koll. Rolf Hofmann teilgenommen. Vor der offiziellen Feier gab es für auch für mich einen Empfang in den skandinavischen Botschaften in Berlin.

Mitarbeit im AFS Komitee Mainz/Wiesbaden

Nach dem Ende meiner beruflichen Tätigkeit (vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen) engagiere ich mich heute gelegentlich im AFS Komitee Mainz/Wiesbaden.

So sind wir gerade in Vorbereitung einer Veranstaltung mit der ehemaligen Bundesministerin und Gründerin von „weltwärts“ Heidemarie Wieczorek-Zeul. 

Es folgt im Frühjahr 2016 eine weitere Veranstaltung mit der stellv. Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Evelyn Lemke.

Als stellvertretender Pressesprecher bringe ich so meine Kontakte in die Arbeit des AFS ein. Eine Institution, die mir so viel gegeben hat.

Fazit:

Der AFS hat mein Leben bereichert. Die Erfahrungen mit anderen Kulturen, andere Lebens- und Sichtweisen, und natürlich die Begegnung mit vielen anderen Menschen möchte ich nicht missen. Auch habe ich viel über mein Land Deutschland erfahren, weil ich ja entsprechende Frage zu beantworten hatte. Nicht zu vergessen die Sprachkenntnisse. Man lernt in solchen Austauschprogrammen sich gut zu verständigen. Das mag nicht immer das Beste Schulenglisch sein, aber für den Small-talk reicht es allemal. Natürlich ist das Sprachstudium wesentlich besser bei den Jahresprogrammen.

Der ehemalige Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, mein Kollege und Freund Norbert Hansen, würdigte mein o.g. Engagement indem er mich in die Arbeit unseres Weltverbandes, der Internationalen Transportarbeiterförderation einband. So durfte ich ihn mehrmals nach London zur Sitzung der Sektion Eisenbahn, dessen Vorsitzender er lange war, begleiten. Auch an den beiden Weltkongressen in Südafrika (Durban) und Brasilien (Curitiba) durfte ich teilnehmen. Unvergessliche Erlebnisse!

http://www.itfglobal.org/en/global/